Novomatic-Ergebnis bricht ein

9. Juni 2010, 14:53
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Massive Abschreibungen im Osten haben ihren Preis, allein der Rückzug aus Russland kostete 43 Millionen Euro

Wien - Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist auch an der Novomatic AG nicht spurlos vorübergegangen. Der Glücksspielkonzern mit Sitz in Gumpoldskirchen/NÖ verzeichnete im vergangenen Jahr beim Umsatz mit 1,223 Mrd. Euro nach dem Rekordwert von 1,265 Mrd. Euro aus 2008 nur ein leichtes Minus, die Produktion von Glücksspielautomaten ging aber drastisch zurück. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) hat sich mehr als halbiert und belief sich auf nur mehr 168 nach 341 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss ist von 243 Mio. auf 59 Euro eingebrochen. Novomatic musste insbesondere in Osteuropa massiv abschreiben.

Insgesamt musste die Novomatic AG 2009 "knapp über 80 Mio. Euro" an Wertberichtigungen vornehmen, sagte Finanzvorstand Peter Stein am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz. Allein der Rückzug aus Russland, wo im Vorjahr das Glücksspiel komplett verboten wurde, sei mit 43 Mio. Euro zu Buche geschlagen. In Rumänien und Ungarn machten Novomatic Währungsprobleme zu schaffen, hinzu kamen krisenbedingte Kaufkraftverluste in einigen Ländern. Die Pleite der britischen Octavian International kostete Novomatic 20 Mio. Euro. Die Niederösterreicher hielten über ihre Tochter Austrian Gaming Industries (AGI) bis vor kurzem 51 Prozent an dem Softwareanbieter, der nun aber wegen der Situation in Russland in die Insolvenz geschlittert ist. Novomatic hat sich daher die noch verwertbaren Teile von Octavian in St. Petersburg, Argentinien und Kolumbien herausgepickt und zu 100 Prozent übernommen.

Zahl der Mitarbeiter nimmt zu

Das Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) der Novomatic AG betrug 2009 laut Generaldirektor Franz Wohlfahrt und Stein 399 Mio. Euro (2008: 488 Mio. Euro). Das Betriebsergebnis (Ebit) ist von 346 auf 186 Mio. Euro zurückgegangen. Mit dem Ziel, Arbeitsplätze langfristig abzusichern, habe das Unternehmen im vergangenen Jahr antizyklisch massiv investiert - etwa 400 Mio. Euro, berichtete der Generaldirektor. Der Mitarbeiterstand der Novomatic sei weltweit von 8.865 auf 10.331 gestiegen, in Österreich von 2.220 auf 2.355.

Das vergangene Jahr sei für die Glücksspielbranche kein einfaches gewesen. Wegen der Einnahmerückgänge in Spielbanken und der "defensiven Haltung in der Nachfrage" sei für Novomatic der Absatzmarkt zurückgegangen. 2008 hatte das Unternehmen noch 110.000 Glücksspielautomaten produziert, 2009 nur mehr 60.000, sagte Stein. Kunden hätten aufgrund der Wirtschaftskrise eine "vorsichtigere Gangart eingeschlagen". Die "ungünstigen Rahmenbedingungen" bestünden weiterhin, das Unternehmen geht dennoch davon aus, dass die Nachfrage wieder steigt. Ziel für 2010 sei es, "in etwa an das Ergebnis von 2009" anzuschließen, sagte Wohlfahrt. Die Zahlen des ersten Quartals würden dieser Einschätzung recht geben.

Die Novomatic-Gruppe - bestehend aus der Novomatic AG und den Schweizer Schwesterkonzernen ACE Casino Holding AG sowie C.S.C Casino Systems Holding AG - erreichte 2009 nach Angaben vom Mittwoch einen addierten, nicht konsolidierten Gesamtumsatz von 2,363 Mrd. Euro (2008: 2,547 Mrd. Euro). Das EGT der Gruppe ist ebenfalls drastisch zurückgegangen, und zwar von 417 Mio. auf 285 Mio. Euro. Die Zahl der Beschäftigten weltweit stieg hingegen von 14.000 auf 15.700.

Markteintritt in Italien

Neben der Produktion und dem operativen Bereich will Novomatic in der Zukunft vor allem auch auf die Lizenzierung von Spielen für das Internet setzen. Dieses "dritte Standbein" soll laut Wohlfahrt mittelfristig einen Umsatzanteil von 15 bis 20 Prozent erreichen. Mit den aktuell 195 Filialen des Tochterunternehmens Admiral Sportwetten sieht der Generaldirektor eine "Marktsättigungsgrenze erreicht". Es sei demnach kaum eine weitere signifikante Erhöhung der Zahl der Standorte zu erwarten.

International läuft laut Wohlfahrt der Markteintritt in Italien. In den kommenden Monaten sollen 14.000 Video-Lotterie-Terminals (VLT) ausgeliefert werden. In den nächsten drei Jahren werde auch ein Fokus auf Spanien liegen. "Wir wollen uns in Europa noch besser positionieren." Die Präsenz verstärken will Novomatic überdies in Lateinamerika, wobei der Generaldirektor Argentinien, Paraguay und Mexiko nannte. Das im vergangenen Dezember offiziell eröffnete Casino-Resort südlich von Santiago de Chile soll am 1. Juli wieder seinen Betrieb aufnehmen. Es musste wegen des Erdbebens Ende Februar vorübergehend geschlossen werden. Stein bezifferte den entstandenen Schaden mit etwa 10 Mio. US-Dollar (8,37 Mio. Euro). (APA)

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    Das vergangene Jahr war für die Glücksspielbranche kein einfaches gewesen.

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