Selbstbehalt ohne Ärzte

18. April 2003, 18:53
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Kammervertreter kündigt "Verweigerung" an

Wien - "Unter keinen Umständen" wollen die Ärzte Selbstbehalte von den ASVG-Versicherten einheben. Ärztekammer-Vizepräsident Reiner Brettenthaler wies am Wochenende erneut die von Hauptverbandssprecher Josef Kandlhofer und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (VP) zugedachte Inkassofunktion für die ab 1. Jänner 2004 geplanten generellen Selbstbehalte zurück. Man werde sich das "nicht gefallen lassen", drohteBrettenthaler mit "vielen Möglichkeiten der administrativen Verweigerung". Simpel, aber höchst wirksam: "Wir heben die Gebühr nicht ein - ganz einfach."

Kandlhofer, der eine Verordnung für die Selbstbehalte erarbeiten muss, wurde nur in zwei Punkten konkret: Die Ärzte sollen das Geld einheben und es soll eine sozial gestaffelte Obergrenze geben. Wo diese Grenze liegen soll, ist aber ebenso noch völlig offen wie die Höhe des Selbstbehalts an sich. Kandlhofer präferiert eigentlich einen prozentuellen Selbstbehalt - in Relation zum Honorar, das der Arzt für seine Leistung von der Kasse bekommt. Das sei aber, so der Hauptverbandssprecher, "möglicherweise nicht durchführbar" wegen der unterschiedlichen Honorarsysteme. Als Alternative könne er sich Selbstbehalte pro Quartal oder pro Arztbesuch vorstellen. Er hoffe insgesamt auf mehr soziale Gerechtigkeit, so Kandlhofer: "Das ist vermutlich mein Hauptziel."

Für SP-Bundegeschäftsführerin Doris Bures gehen einheitliche Selbstbehalte indes in "die völlig falsche Richtung", da sie "auf einseitige und unsoziale Belastungen anstatt auf eine langfristige und nachhaltige Sicherung des Systems" setzen. Sparpotenziale gebe es aber etwa im Medikamentenbereich.

Rauch-Kallat kündigte an, im Herbst nach der jetzt vorgesehenen Harmonisierung der Krankenkassenbeiträge für Arbeiter und Angestellte (auf 7,3 Prozent) auch die Beiträge und Leistungen für die anderen Berufsgruppen angleichen zu wollen. (nim/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20./21.4.2003)

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