"Mythen der Erinnerung"

18. April 2003, 13:32
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Docu-Performances von Ong Keng Sen im Wiener Schauspielhaus

Wien - Ong Keng Sen, diesjähriger "Artist in residence" des Wiener Schauspielhauses, entwickelt mit "Mythen der Erinnerung" mehrere "Docu-Performances" für die Bühne in der Porzellangasse - zu sehen zwischen 25. April und 18. Mai. Es soll eine theatralische Auseinandersetzung mit Prozessen von Recht und Gerechtigkeit bzw. deren Ausbleiben entstehen. Neben drei Theaterarbeiten wird es ein Gesprächsforum und eine "Bibliothek der kulturellen Säuberung" geben.

Das spartenübergreifende Kulturprojekt, in dessen Rahmen Theaterstücke, Gesprächsforen, ein Videoarchiv und Arbeiten Bildender Kunst präsentiert werden, basiert auf Ongs Spurensuche nach Wahrheit von Geschichte.

Im Einzelnen

Im ersten Teil "The Continuum: Beyond The Killing Fields" wird mittels Erzählung, Tanz, Schattenspiel und Video die Lebensgeschichte der von Pol Pots Genozid in Kambodscha bedrohten Künstlerin Em Theay, einer heute 70-jährigen Hoftänzerin, dokumentiert. Überlebende der Gräueltaten werden auf der Bühne ihre persönliche Geschichte erzählen. Das Projekt, das Ong erstmals 2001 an der Yale University in den USA präsentierte, hat in Wien am 25. April Premiere.

Der zweite Teil, "Offenes Geheimnis", will den Milosevic-Prozess theatralisch aufarbeiten. Die Frage lautet hier, wie es dazu kommen konnte, dass Verbrechen wie die in Ex-Jugoslawien stattfinden konnten, obwohl sie klar ersichtlich und einer breiten Öffentlichkeit weitgehend bekannt waren (Premiere: 25. April).

Im dritten Teil werden Verbrechen an der Menschheit, die in Wien stattgefunden haben, thematisiert. In "Spiegelgrund - Eine Reise" berichten Zeitzeugen und Fachleute in Form von Gesprächsrunden über ihre 'Geschichte(n)' zur NS-Kindereuthanasie. Es moderiert die "profil"-Journalistin Marianne Enigl.

Der Rahmen

Parallel zu den Theaterprojekten soll es im Schauspielhaus außerdem die Möglichkeit geben, in einer medialen Bibliothek geschichtliche Wahrheit eigenständig zu erforschen. Dokumentar-Video-Arbeiten von Regisseuren aus Belgrad, Zagreb und Sarajewo beleuchten das Leben während und nach Ende des Krieges. In einer Gesprächsrunde am 18. Mai kommen Kuratoren, Künstler, Zeitzeugen und Wissenschafter aus Ex-Jugoslawien zu Wort.

Ong Keng Sen absolvierte eine Ausbildung für zeitgenössische Performance an der New York University, ist aber auch dafür bekannt, mit traditionellen Konzepten des Noh-Theaters zu arbeiten. Seine Arbeiten, oft Klassikerbearbeitungen, wurden auf wichtigen internationalen Festivals in Asien, Australien, den USA und Europa präsentiert. Derzeit kuratiert Ong als erster außereuropäischer Regisseur das Theaterfestival "intransit" des "Haus der Kulturen der Welt Berlin".(APA)

"Mythen der Erinnerung" von Ong Keng Sen:

Teil 1: "The Continuum: Beyond The Killing Fields" (Kambodscha), Premiere: 25. 4., 18 Uhr. 23./30. April; 2./7./9./14./16. Mai je 20 Uhr; 25./26. April; 3./10./17. Mai je 18 Uhr.

Teil 2: "Offenes Geheimnis" (Ex-Jugoslawien), Premiere: 25.4., 21 Uhr. 22./24./29. April; 1./6./8./13./15. Mai je 20 Uhr, 25./26./27. April; 3./4./10./11./17./18. Mai je 21 Uhr.

Teil 3: "Spiegelgrund - Eine Reise" (Wien), Premiere: 27.4., 20 Uhr. 27. April; 4./11./18. Mai je 20 Uhr.

Teil 4: "Bibliothek der kulturellen Säuberung", vom 25. April bis 18. Mai ab 16 Uhr, täglich außer Montag.

Teil 5: Sonntagsforum am 18.5.2003 ab 11 Uhr.

Information und Karten: 01 / 3170 101 oder auf der Schauspielhaus-Webseite
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