Heimischer Rebensaft ist Exportschlager

22. April 2003, 15:08
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Österreichs Winzer erzielten 2002 einen Exportrekord - Einziger Wermutstropfen: Zwei Drittel sind Fass-Exporte, das drückt die Preise

Wien - Die heimischen Winzer lieferten im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Österreichischen Weinmarketinggesellschaft (ÖWM) 60,3 Millionen Liter Wein ins Ausland. Das sind um über 17 Prozent mehr als im Jahr 2001. Der Umsatz stieg allerdings nur um 9,5 Prozent auf 56,5 Millionen Euro. Der Grund für diese Diskrepanz liegt im hohen Anteil der Fassweinexporte, die den Gesamtpreis nach unten drücken. So wurde 2001 für einen Liter exportierten Wein noch ein Euro bezahlt, im Vorjahr betrug der Preis nur mehr 94 Cent.

"Diese Ergebnisse sind zwar angesichts der schwierigen Wirtschaftslage sensationell, der hohe Anteil des Fassweinexportes ist allerdings nicht zufrieden stellend", sagte ÖWM- Geschäftsführer Michael Thurner. Gegensteuern will er in diesem Bereich vor allem mit einer Qualitätsoffensive in der Vermarktung. Ein Schritt in diese Richtung wurde heuer mit dem ersten DAC-Wein ("Districtus Austriae Controllatus") im Weinviertel bereits getan. Weitere solche DAC-Weine sollen folgen, der erste Rote "wahrscheinlich mit der Ernte 2003 im Burgenland", so Thurner.

Osteuropa im Blickpunkt

Künftig will die ÖWM auch die Märkte in Osteuropa verstärkt bearbeiten. Besonders interessant seien dabei Tschechien und Polen, aber auch Russland. Diese Märkte seien speziell auch für österreichische Weißweine aufnahmefähig. "Tschechien ist zwar bereits jetzt mengenmäßig unser Exportmarkt Nummer zwei, dabei handelt es sich aber fast ausschließlich um Sektgrundweine im Fass", so Thurner.

Wichtigstes Exportland ist und bleibt ganz klar Deutschland, wohin 38 der 60 Millionen Liter hingeliefert werden. Neben einem ähnlichen Weingesetz sei auch die gemeinsame Sprache ein großer Vorteil. Derzeit habe man in Deutschland dennoch nur zwei Prozent Marktanteil. "Können wir den um einen Prozentpunkt steigern, wäre das ein Zuwachs von 15 Millionen Litern", sagt der ÖWM-Chef. Langfristig seien auch die Märkte in China und Indien ein Thema.

Rotweine gefragt

Besonders gefragt waren im Vorjahr wieder die österreichischen Rotweine. 16,5 Millionen exportierte Liter bedeuteten ein Plus von knapp 30 Prozent. Wertmäßig machen die Roten damit schon 39 Prozent des Gesamtexportes aus. Da auch die Nachfrage im Inland stark gestiegen sei, müsse das Förderprogramm der EU zur Umstellung von Weißwein- auf Rotweinanbau weiter forciert werden. Dennoch rät Thurner, Rotwein nur dort anzupflanzen, wo er auch wirklich gute Bedingungen vorfindet: "Sonst hat man nur in fünf von zehn Jahren eine gute Ernte. Das kann nicht der Sinn der Sache sein."

Importrückgang

Sehr erfreulich war die Entwicklung bei den Importen. Diese gingen von knapp 60 auf 51,4 Millionen Liter zurück und lagen damit deutlich unter den Exporten. Wertmäßig stellen die Importe aber mit 138,8 Millionen Euro die Exporte deutlich in den Schatten.

Dass der österreichische Wein auch im Inland zunehmend an Bedeutung gewinnt, zeigt die Tatsache, dass dessen Marktanteil im Lebensmittelhandel wieder steigt. Die Supermärkte versuchten sich auch verstärkt dadurch zu profilieren, dass sie Weine bekannter österreichischer Winzer in ihr Sortiment aufnehmen, sagte Thurner. (Robert Zwickelsdorfer, STANDARD Print-Ausgabe, 19.34.2003)

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