Paradies, Geysir, Totes Meer

24. Juni 2005, 13:51
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Für ausländische Touristen ist ein Großteil der Slowakei weiterhin ein weißer Fleck auf der Karte. Das Land hat aber weit mehr zu bieten als billigen Einkauf in der Hauptstadt oder den bekannten Skiurlaub in der Hohen Tatra.

Eine der schönsten Ecken der Slowakei liegt weit im Osten, zwischen Roznava und Spisská Nová Ves - das "Slowakische Paradies" (Slovensky raj), ein Naturjuwel mit einem sehr passenden Namen. Unzählige tiefe Schluchten und schäumende Wasserfälle dieses Nationalparks im slowakischen Erzgebirge sind teilweise nur über Leitern und Stiegen zugänglich - viele der "Wanderwege" wie die Sokolia dolina sind teilweise gefährlich und dürfen deshalb nur "von unten nach oben", gegen den Strom absolviert werden. Typisch sind für das einstige Hochplateau zahlreiche Karstgebilde, vor allem Höhlen, darunter ein wirkliches Unikat - die Eishöhle Dobsinská (rund 40 km südlich von Poprad), die im November 2000 in das Unesco-Weltnaturerbe aufgenommen wurde.

Die unterirdischen Gänge sind rund 1230 Meter lang, bis zu 112 Meter tief, der Umfang der Eisbedeckung wird auf 110.130 m³ geschätzt, und die größte Eisschicht ist 26,5 Meter dick. 1871 war Dobsinská die erste elektrisch beleuchtete Höhle in der damaligen Monarchie. Ein Besuch ist ab Mai möglich. (Information: Tel. 0042/1/587 881 470.) Anfang April startete in der Slowakei auch die Floßsaison. Attraktive, elf Kilometer lange Floßfahrten auf traditionellen Holzflößen gibt es wieder auf dem Fluss Dunajec bei Cervený Klástor, direkt an der polnischen Grenze nordöstlich der Hohen Tatra, in einer der größten Schluchten Mitteleuropas. Direkt auf dem Floß wird auch ein Picknick serviert, in Form einer traditionellen slowakischen Mahlzeit samt Schafkäse. (Dunajec Tour, Ladislav Simoník, Tel. 0042/1/524 323 410.)

Noch weiter östlich, in Herlany bei Kosice, ist ein weiteres, für Mitteleuropa äußerst ungewöhnliches Naturschauspiel zu bewundern - ein Geysir. Der Wasserstrahl mitten im Areal eines alten Kurbades erreicht eine Höhe von 20 Metern und tritt unregelmäßig alle 32 bis 34 Stunden auf. Jede Eruption dauert rund 25 Minuten, pro Sekunde werden bis zu 30 Liter Wasser in die Höhe geschossen. Aktiv ist der Geysir ununterbrochen schon 120 Jahre, von seinen klassischen "Kollegen" unterscheidet er sich vor allem durch die niedrige Wassertemperatur. Herlany war schon 1859 ein viel besuchter Kurort, damals galt der es als bestausgestattetes Bad im ungarischen Teil der Monarchie.

Kurorte gibt es im Land auch heute jede Menge. Nur wenige kennen aber das Thermalbad Podhájska - das Tote Meer samt seiner heilenden Kraft direkt in der Slowakei. Das Heilwasser mit einer Temperatur von rund 80 Grad sprudelt bei Nové Zámky, etwas nördlich vom südslowakischen Komárno - es ist salzig und enthält bis auf eine Ausnahme dieselben Bestandteile wie das Wasser des Toten Meeres. (Der Standard, Printausgabe, 17.04.2003)

Von Renata Kobicová

Info

Tel. 00421/3/565 861 30

slovenskyraj.info

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