Deutschland: Vertreibung von Randgruppen

16. April 2003, 18:46
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Videokameras sind bereits in vielen Städten fixer Bestandteil der Kriminalitätsbekämpfung

In Deutschland sind Videokameras bereits in vielen Städten fixer Bestandteil der Kriminalitätsbekämpfung. Seit 1. September 2001 ist die Überwachung per Kamera auch in Bayern rechtlich zulässig. In allen überwachten Bereichen sei ein Rückgang der Straßenkriminalität festgestellt worden, resümierte vor kurzem der bayerische Innenminister Günther Beckstein.

Bildüberwachung in Flugzeugen

In Regensburg etwa konnten im Vorjahr durch die Videoauswertung drei Männer ausgeforscht werden, die am Busbahnhof eine Passantin überfallen und lebensgefährlich verletzt hatten. Aber auch private Unternehmen setzen immer öfter auf Überwachung. Kaufhäuser zum Beispiel müssen beim Eingang darauf hinweisen, dass eine Kamera läuft. Zuletzt hat auch die Lufthansa angekündigt, in ihren Flugzeugen eine Bildüberwachung einzuführen.

Vertreibung von "unerwünschten, sozial schwache Personengruppen"

Eine Untersuchung der Hochschule Magdeburg-Stendal kam zu dem Ergebnis, dass Kriminelle lediglich in nicht überwachte Gebiete ausweichen. Der Autor der Studie, Professor Titus Simon, kritisiert, dass mit den Kameras in erster Linie "unerwünschte, sozial schwache Personengruppen", wie suchtkranke Menschen oder Obdachlose, vertrieben worden seien. Damit würden nur gesellschaftliche Probleme verdrängt.

Kontraproduktiv

Die Vertreibung von Randgruppen sowie die Umsetzung von Bettelverboten habe nicht zu einer Reduzierung von kriminellen Handlungen insgesamt geführt. Simon befürchtet eher das Gegenteil, nämlich dass aus Not resultierende Beschaffungskriminalität zunehmen werde. (simo, DER STANDARD Printausgabe, 17. April 2003)

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    foto: photodisc
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