Irakischer Informationsminister beging angeblich Selbstmord

16. April 2003, 06:02
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Sahhaf wurde durch seine optimistischen Auftritte und Aussagen schnell zur "Kultfigur"

Wien - Der im Irak-Krieg durch seine täglichen Pressekonferenzen bekannt gewordene irakische Informationsminister Mohammad Said al Sahhaf soll sich kurz vor dem Fall Bagdads das Leben genommen haben. Das berichtete der israelische Radiosender Kol Israel unter Berufung auf eine arabischsprachige iranische Zeitung, wie die jüdische Zeitschrift "Die Jüdische" am Dienstagabend der APA mitteilte.

Gleichlautende Informationen gab es auch auf der Satire-Internetseite "We Love the Iraqi Information Minister" am Dienstag. Demnach soll sich Sahhaf laut einer iranischen Zeitung erhängt haben. Die Seite ist den "besten" Aussagen des Informationsministers gewidmet und gibt sie im ironischen Licht wieder. So etwa die Aussage kurz vor der völligen Eroberung der irakischen Hauptstadt, dass die Amerikaner nicht in Bagdad seien und die Stadt "sicher und geschützt" sei. Auch Formulierungen wie "wir werden sie (die Amerikaner) alle abschlachten" oder "Gott wird ihre Bäuche in der Hölle braten" fanden Eingang in die Sammlung.

Kultstatus

Sahhaf hatte es nach seinem Verschwinden kurz vor dem Fall Bagdads schnell zu internationalem "Kultstatus" gebracht. Es werden sogar T-Shirts mit seinen Aussprüchen über das Internet vertrieben.

Sahhafs Sohn Osama ist in der irischen Hauptstadt Dublin als Arzt tätig, berichtete die britische Zeitung "Daily Telegraph" am gestrigen Montag. Der Sohn verteidigte gegenüber der Zeitung seinen Vater. "Mein Vater ist ein guter Mann. Er weiß, dass er für seine eigenen Entscheidungen verantwortlich ist, aber als Vater ist er ein guter Mann. Wenn er von der Arbeit nach Hause kommt und seine Uniform auszieht, sprechen wir nicht über seinen Job", zitiert die Zeitung den Sohn des Informationsministers.

Osama al Sahhaf sagte der Zeitung, er begrüße den Regimewechsel im Irak und hoffe auf eine schnelle Demokratisierung. (APA)

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    Wild gestikulierend und den Angreifern zürnend, so erlebt die Fernseh- Öffentlichkeit Saddams Informationsminister bis zum Fall Bagdads

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