Für Helga Konrad ist Halbe-halbe das Minimum

8. Juni 2010, 18:16
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Neues Positionspapier zur SP-Frauenpolitik liegt für den roten Bundesparteikongress zur Abstimmung vor

Wien/Linz - Was ihre Nachfolgerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will, ist der ehemaligen Frauenministerin Helga Konrad zu wenig. Die amtierende Ministerin hat bei der Präsentation des Frauenberichts klargemacht, dass es nicht ohne Quote gehen werde, um die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen schneller zu schließen. Bis 2013 solle der Frauenanteil in Aufsichtsräten auf 25 Prozent steigen, bis 2018 auf 40 Prozent.

Von diesem Stufenplan hält Konrad nichts. Sie fordert, gemäß der unter ihrer Amtszeit gestarteten - wenn auch schon nach drei Wochen zurückgezogenen - Kampagne, Halbe-halbe bei allen politischen Mandaten sowie in allen Führungsetagen.

Mit dieser Forderung steht die Ex-Ministerin innerhalb der Sozialdemokratie nicht alleine da. Vor allem die Sozialistische Jugend wollte etwas gegen "den Stillstand in der Frauenpolitik" unternehmen. Österreichweit wurden deshalb sogenannte Denkfabriken aufgesperrt, um ein neues Positionspapier zu erarbeiten, erläutert Sonja Ablinger, SPÖ-Nationalratsabgeordnete und Oberösterreichs Landesfrauenvorsitzende. Gemeinsam mit Konrad ist sie eine der Antragsstellerinnen zum Beschluss des Positionspapiers für den roten Bundesparteikongress am Wochenende.

Die zentralen Forderungen im Antrag neben der 50-Prozent-Quote: "Stärkere Anhebung der unteren und mittleren Einkommen", da in diesem Lohnsegment die meisten Frauen beschäftigt sind. Weiters einen gesetzlichen Mindestlohn, der "über der bedarfsorientierten Mindestsicherung" liege. Laut Antrag müssten dies 1300 Euro pro Monat sein.

Außerdem wurde eine schon 1996 von den SPÖ-Frauen gestellte Forderung aufgegriffen: Schaffung einer eigenständige Alterssicherung für Frauen. Und zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss die Wochenarbeitszeit für Eltern mit Kindern unter acht Jahren auf 30 Stunden gekürzt werden - "bei vollem Lohnausgleich", wie Konrad betont.

Auch wenn die in dem Antrag formulierten Ziele nicht grundsätzlich neu seien, wurden diese jedoch "radikaler und präzise" formuliert, versichert sie. "Wir haben Dinge aufgegriffen, die innerparteilich lieber unter den Tisch gekehrt wurden." (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6. 2010)

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