Internet-Panikmache schadet Kindern

8. Juni 2010, 10:23
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Experten raten von Zugangssperren und negativer "Aufklärung" ab

Angstmache vor den Gefahren des Internets kann Kindern eher schaden, als dass es sie vor irgendetwas beschützt. Auch den Zugang zu Social Networks zu versperren, ist wenig sinnvoll, wie eine aktuelle Untersuchung im Auftrag der US-Regierung zeigt. Eltern, Lehrer sowie Politik und Organisationen sind dazu angehalten, medienpädagogische Maßnahmen bzw. Medienerziehung zu fördern. Kinder sollen - so der Bericht "Youth Safety on a Living Internet" der Online Safety and Technology Working Group der National Telecommunications and Information Administration - dabei aktiv miteinbezogen werden.

Panik vor Sexualstraftätern übertrieben

Die Untersuchung will auch darauf hinweisen, dass bestimmte Themen überzogen oder tendenziös diskutiert werden. So gibt es zwar Sexualstraftäter, die sich im Web bewegen und eine Gefahr für Kinder darstellen. Doch ihr Auftreten sei weit nicht so häufig wie vielfach angenommen wird, heißt es in dem Bericht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind im Internet Opfer eines sexuellen Übergriffs wird, sei statistisch gesehen sehr gering.

"Andere Risiken wie beispielsweise Cyberbullying sind viel weiter verbreitet als gedacht - bei manchen Kindern beginnt das schon in der zweiten Schulstufe", schreiben die Forscher in dem Bericht. Mobbing unter den Kindern sei sowohl online als auch offline eines der häufigsten Probleme von Minderjährigen.

Auch "neue" heikle Entwicklungen wie das "Sexting" werden von den Medien laut dem Bericht zu sehr hochgespielt. Die Problematik sei nicht so allgegenwärtig, wie vermittelt wird. Die Aufmerksamkeit solle eher auf weniger offensichtlichen Gefahren liegen. Dazu zählt etwa der Identitätsklau im Web, der Umgang mit den eigenen Daten und die Gefahr, sich online einen schlechten Ruf einzuhandeln.

Medienkompetenz lernen

Der Schlüssel zu einem sicheren Umgang mit dem Internet ist, den Kindern ein verantwortungsvolles Verhalten beizubringen - online wie offline - betont der Bericht. Die Regierung sei dazu aufgefordert, landesweit die medienpädagogische Erziehung bzw. das Erlernen von Medienkompetenz zu bewerben.

Denselben Weg hat man auch in Deutschland eingeschlagen. So macht sich etwa der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) für eine bessere medienpädagogische Bildung stark. Zuletzt wurde ein Social-Media-Leitfaden veröffentlicht, der in erster Linie Eltern eine Anleitung im Umgang mit Social Networks und anderen Onlineaktivitäten der Kinder geben soll.

"Für Eltern steht der Schutz ihrer Kinder an höchster Stelle. Die Plattformbetreiber haben dieses Bedürfnis nach Schutz erkannt und möchten mit Vorurteilen aufräumen. Indem sie ihr Wissen teilen und für Eltern direkt ansprechbar sind, finden wir uns in Deutschland in einer sehr positiven Ausgangssituation für Verbraucher wieder", so Axel Schmiegelow, Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im BVDW. (pte)

 

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