Privatinvestor übernimmt Karstadt

8. Juni 2010, 08:30
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Nach monatelangem Bieter­wettstreit sticht Nicolas Berggruen die anderen Interessenten aus und übernimmt die insolvente Kaufhauskette

Essen - Der US-deutsche Privatinvestor Nicolas Berggruen wird neuer Eigentümer der insolventen Kaufhauskette Karstadt. Darauf verständigte sich der Gläubigerausschuss am Sitz des Karstadt-Konzerns in Essen, teilte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mit. Nach monatelangem Ringen um die Zukunft Karstadts sind damit der deutsch-skandinavische Investor Triton und das Karstadt-Vermieterkonsortium Highstreet als Bieter aus dem Rennen.

Görg sagte, der Kaufvertrag solle "umgehend" unterzeichnet und im Spätsommer in Kraft treten. Der Gläubigerausschuss habe mit großer Mehrheit für Berggruen gestimmt. Es sei von Anfang an Ziel gewesen "Karstadt als eines der ganz großen Unternehmen in Deutschland zu erhalten".

Für die rund 25.000 Mitarbeiter der insolventen Warenhauskette geht mit dem Zuschlag ein Jahr voller Ungewissheit zu Ende. Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor hatte am 9. Juni 2009 Insolvenz angemeldet, womit auch die Konzerntöchter Karstadt und Quelle in die Pleite rutschten. Über Monate hinweg wurde nun nach einem Käufer gesucht.

Nicolas Berggruen kündigte an, Karstadt modernisieren zu wollen. Er sei nicht auf schnelles Geld aus. Die Warenhauskette sei nun fast 130 Jahre und damit "eine alte Dame". Der Sohn des legendären jüdischen Kunstsammlers Heinz Berggruen war zuletzt auch von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als neuer Eigentümer für Karstadt befürwortet worden. Eine Verdi-Sprecherin begrüßte in einer ersten Stellungnahme die Entscheidung für den US-deutschen Investor. Nun muss am Donnerstag das Amtsgericht Essen noch den Insolvenzplan bestätigen. (dpa, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2010)

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    Nicolas Berggruen will die Kaufhäuser modernisieren.

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