Gefräßige Meeresschnecke verheerender als der Klimawandel

5. Juni 2010, 15:20
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Dendropoma maximum ist klein, hat es aber in sich

Wellington/München - Forscher der neuseeländischen Victoria University haben bei Feldstudien in Französisch-Polynesien entdeckt, dass eine kleine Meeresschnecke große Schäden an Korallenriffen anrichten kann. Im Wissenschaftsmagazin "Biology Letters" berichten die Meeresbiologen um Jeff Shima, dass die Wurmschnecke Dendropoma maximum sogar mehr Schaden am Riff anrichten kann als Klimaerwärmung oder Korallenbleiche.

"Unsere Forschungsarbeit hat sich mit dem Effekt der häufig übersehenen zoologischen Kuriositäten beschäftigt", so Shima. "Es ist wirklich unglaublich, dass eine so kleine Schnecke solche katastrophalen Auswirkungen auf die Korallen haben." Die Wurmschnecke reduzierte das Skelettwachstum von einigen Korallenarten um bis zu 80 Prozent und reduziert damit ihre Überlebensrate um die Hälfte. Problematisch ist zudem auch, dass die Schnecke auf verschiedenen Korallenarten lebt.

Gekommen, um zu bleiben

Die Schnecke hat ein unregelgemäßg geformtes Haus, das sie an harten Oberflächen gleichsam einzementiert ."Bei Dendropoma maximum handelt es sich um eine festsitzende Wurmschnecke, die ihre Nahrung aus dem Wasser mit Hilfe eines klebrigen Schleimnetzes fängt, das dann regelmäßig von der Schnecke verzehrt wird", so der Korallen-Experte Christian Wild, Leiter der Coral Reef Ecology Arbeitsgruppe am GeoBio-Center München. "Dendropoma ist ein ganz typischer Organismus in vielen Korallenriffen und kann vor allem auf dem flachen Riffdach in hohen Dichten vorkommen."

"Die vorliegende Studie aus Moorea - einer Insel in Französisch-Polynesien - bestätigt nun Befunde aus dem Roten Meer, wonach Dendropoma das Wachstum von Steinkorallen in direkter Nachbarschaft negativ beeinflussen kann", erklärt Wild. Problematisch erscheint hierbei, dass die Dichte von Dendropoma in einigen Korallenriffen offensichtlich deutlich zugenommen habe - im nördlichen Roten Meer zum Beispiel um den Faktor 2,5 in den vergangenen zehn Jahren.

Gut gedüngt

"Hauptgrund für die Zunahme ist vermutlich der steigende Eintrag von Nährsalzen wie Nitrat und Phosphat von Land", erklärt Wild. Dies führe zu einer höheren Konzentration an organischem Material in der Wassersäule über Korallenriffen, sodass bestimmte filtrierende Organismen wie Dendropoma davon stark profitieren können.

"Hierdurch wird einmal mehr deutlich, dass eine ganze Reihe von unterschiedlichen, lokalen Stressfaktoren eine Veränderung der Lebensgemeinschaften in den komplexen Korallenriffökosystemen bewirken kann", meint Wild. Die Schädigung von Korallen durch Dendropoma scheine hier im Vergleich zu den massenhaften Ausbrüchen des Korallen-fressenden Dornenkronenseesterns Acanthaster eher ein schleichender Prozess zu sein, der aber deutlicher mit einer Verschlechterung der Wasserqualität zusammenhängt, so der Experte abschließend. (pte/red)

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