Hohe Kreditkosten könnten Osteuropa ausbremsen

2. Juni 2010, 16:18
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Wien - Die starken Kreditflüsse in die Länder des Baltikums und des Balkans erweisen sich in der Wirtschaftskrise als schwere Last. Die Folgen des Kreditbooms könnten das Wachstum zunichtemachen, das die Länder der Region zwischen 2003 und 2006 genossen hatten. Zu dieser Einschätzung kommen zwei Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einem Arbeitspapier. Am Ende könnten sie dadurch schlechter dastehen als ohne die Kredite.

Den Ländern machen nicht nur die hohen Kreditkosten zu schaffen, sondern auch ihre Art des Wirtschaftens. Durch die Kredite wurde die heimische Nachfrage angekurbelt, wodurch das Bruttoinlandsprodukt gestützt wurde. Der Effekt sei jedoch durch hohe Außenhandelsdefizite, steigende Inflationsraten und eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit verpufft, hieß es in dem IWF-Bericht, der bereits am Dienstag veröffentlicht wurde.

Westeuropäische Banken hatten zwischen 2003 und 2006 in großem Umfang Geld in die neuen EU-Staaten gepumpt. Allerdings hatten die baltischen Staaten und die Balkanländer nach den fetten Jahren auch einen wesentlich stärkeren Zusammenbruch erlebt als etwa Polen, Tschechien und die Slowakei, in die das Geld nicht so im Übermaß geflossen war.

In den Ländern mit dem höchsten Kreditzuwachs seien die durchschnittlichen Wachstumsraten niedriger gewesen, sagten Bas Bakker und Anne-Marie Gulde in ihrem Bericht. Zwischen 2003 und 2007 erhielt Tschechien Kredite in der Höhe eines Drittels seines Bruttoinlandsprodukts, während etwa nach Bulgarien Darlehen flossen, die doppelt so hoch waren wie seine Wirtschaftsleistung.

Wirtschaftsleistung schrumpft

Die Wirtschaftsleistung der baltischen Staaten schrumpfte 2009 im zweistelligen Bereich. Lettland war mit einem Minus von 18 Prozent stärker betroffen als seine beiden Nachbarn Litauen und Estland. Im Gegensatz dazu war Polen im vergangenen Jahr das einzige EU-Land, das Wirtschaftswachstum verzeichnete. In Tschechien und die Slowakei fiel die Rezession nur milde aus. Mit dem Hinweis auf die vergleichsweise bessere Lage in den beiden Ländern kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die Krise zwar von globalen Faktoren ausgelöst wurde. Beigetragen hätten aber auch Versäumnisse in der Finanz- und Geldpolitik.

Der Bericht lässt die Rolle der Banken, die über ihre osteuropäischen Töchter das Geld zur Verfügung stellten, wenig segensreich erscheinen: "Die Annahme, dass sich die schnelle Expansion des Finanzsektors günstig auf das Wachstum auswirkt, könnte zu hoffnungsvoll gewesen sein", gaben die Autoren zu bedenken. Ins Baltikum drängten vor allem schwedische Banken wie Swedbank und SEB. In den Balkanländern waren die österreichischen Erste Group und Raiffeisen International sowie die italienische UniCredit unter den größten Kreditgebern.

Arbeitspapiere stehen nicht unbedingt für die offizielle Haltung des IWF. Die Autoren sind jedoch in der Region aktiv. Bakker leitete das Team des IWF in Bulgarien. Gulde war für den IWF in Lettland im Einsatz. (APA/Reuters)

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