30 Prozent mehr Lohn bei iPhone-Hersteller Foxconn

2. Juni 2010, 11:02
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Ab sofort verdienen die Mitarbeiter des iPhone-Zulieferers umgerechnet 143 Euro im Monat

Peking/Taipeh - Nach der Selbstmordserie unter seinen Mitarbeitern erhöht der weltgrößte Elektronik-Hersteller Foxconn, der auch das Lifestyle-Handy "iPhone" herstellt, die Löhne um 30 Prozent. Ein Unternehmenssprecher in Taipeh sagte nach taiwanesischen Medienberichten am Mittwoch, die Lohnerhöhung von monatlich 900 auf 1200 Yuan, umgerechnet 143 Euro, gelte ab sofort. Der Anstieg geht noch über die vergangene Woche angekündigten 20 Prozent hinaus.

Seit Anfang des Jahres haben sich in dem Foxconn-Werk im südchinesischen Shenzhen zehn Mitarbeiter selbst umgebracht und drei weitere einen Selbstmord versucht. In dem Werk sind mehr als 300.000 Menschen beschäftigt. Die Selbstmorde haben eine heftige Diskussion über die Arbeitsbedingungen, die niedrigen Löhne und auch den als "militärisch" beschriebenen Managementstil bei Foxconn ausgelöst.

Weltkonzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell, Motorola, Nokia und Nintendo, die bei dem Unternehmen fertigen lassen, haben eigene Ermittlungen eingeleitet. Chinesische Experten wiesen als mögliche Ursachen für die Selbstmorde auf den hohen Arbeitsdruck, ein mangelndes soziales Netz, die persönliche Isolation und Ausweglosigkeit vieler junger Wanderarbeiter wegen der schlechten Bezahlung hin.

Apple nimmt Stellung

In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zu den Selbstmorden bei Foxconn drückte Apple-Chef Steve Jobs sein Bedauern aus. Die Todesfälle seien beunruhigend, sagte Jobs am Dienstag bei einer Technologie-Veranstaltung in Kalifornien. Er legte aber Wert auf die Feststellung, dass die Fabrik "kein Ausbeuterunternehmen" sei. "Es ist eine schwierige Situation", sagte er. "Wir versuchen jetzt erst einmal, die Situation zu verstehen, bevor wir herangehen und sagen, wir haben die Lösung."

Die Gründe für die Selbstmorde sind Experten zufolge nicht allein in den geringen Löhnen zu finden. Auch die Lebensumstände und die weitgehende soziale Isolation der Wanderarbeiter, die auf dem Fabrikgelände fernab der Heimat leben und in Schichten rund um die Uhr arbeiten, spielen eine Rolle. Experten schätzen den Durchschnittslohn für Arbeiter in Shenzhen auf derzeit rund 120 Euro im Monat. "In Shenzhen, wo die Foxconn-Fabrik steht, ist ein Grundlohn von 240 Euro im Monat absolut notwendig. Das ist doppelt so viel wie im Moment", sagte Geoffrey Crothall vom China Labour Bulletin in einem Interview mit dem Finanzfernsehsender Reuters Insider. (APA)

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