BP bekommt Ölpest nicht in den Griff

2. Juni 2010, 07:39
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Ausdehnung des Ölteppichs laut Studie fast verdreifacht - Öl bedroht Floridas Strände

New Orleans - Der britische BP-Konzern bekommt die Ölpest im Golf von Mexiko nicht in den Griff: Ein weiterer Versuch, das aus einem Leck in 1.600 Metern Tiefe ausströmende Öl einzudämmen, scheiterte am Mittwoch erneut. Nach einer neuen Studie hat sich die Ausdehnung des Ölteppichs im Golf inzwischen fast verdreifacht.

Eine über ferngesteuerte Roboter betriebene Säge, die unter Wasser die leckende Steigleitung durchtrennen sollte, blieb am Mittwoch im Rohr zunächst stecken. Zwar gelang es, die Säge wieder zu befreien, doch war nach Angaben des US-Koordinators Thad Allen unklar, ob BP seinen Versuch fortsetzen würde.

Gigantische Schere

Auf die abgesägte Leitung sollte eine Art Trichter aufgesetzt und das Öl dann abgepumpt werden. Nach Informationen der "New York Times" könnte nun eine Art gigantischer Schere zum Einsatz kommen. Doch wäre dann kein "glatter Schnitt" mehr möglich und damit das Risiko umso größer, dass an den Rändern zwischen Trichter und Leitung weiteres Öl austritt.

BP-Chef Tony Hayward gab zu, dass der Konzern auf das Leck am Meeresgrund nicht vorbereitet gewesen sei. "Es stimmt ohne Zweifel, dass wir nicht die Werkzeuge hatten, die in einen Werkzeugkasten gehören", sagte Hayward der Zeitung "Financial Times".

Auf Druck Washingtons erklärte sich BP am Donnerstag bereit, die Kosten für den Bau von sechs künstlichen Sandinseln vor Louisianas sensiblem Marschland in Höhe von 360 Millionen Dollar (293 Millionen Euro) zu übernehmen - damit stiegen die bisherigen Ausgaben des Konzerns zur Bewältigung der Ölpest auf 1,35 Milliarden Dollar.

BP verliert an Wert

Nach der Ratingagentur Moody's stufte nun auch Fitch am Donnerstag die Kreditwürdigkeit des Unternehmens von AA+ auf AA ab. Mit der Note AA ist BP trotzdem weiterhin als guter Kreditnehmer bewertet, doch warnte Fitch, der Ölkonzern riskiere eine weitere Abwertung. Es sei mit weiter steigenden Risiken für das Unternehmen nach der Explosion der Bohrinsel "Deep Water Horizon" vor rund sechs Wochen zu rechnen. Im schlimmsten Fall drohten BP für die Reinigung von Meer und Küste Kosten von bis zu fünf Milliarden Euro.

Das Ölleck im Golf von Mexiko wird von der US-Regierung mittlerweile als größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA eingestuft. Nach einer Studie der Universität von Miami erstreckt sich der Ölteppich inzwischen auf einer Fläche von 24.435 Quadratkilometern - und ist damit fast drei Mal so groß wie auf den Satellitenbildern vom 1. Mai. Die US-Behörden weiteten das Fischfangverbot auf rund 37 Prozent der US-Gewässer im Golf von Mexiko aus.

Florida bereitet sich auf verseuchte Strände vor

Nach Louisiana, Mississippi und Alabama bereiteten sich nun auch die Behörden von Florida auf eine Verseuchung ihrer Küsten vor. Sie rechneten damit, dass das Öl dort spätestens am Samstag an Land gespült wird. Die Strände im Nordosten Floridas sind als Urlaubsziel beliebt und haben eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für den Bundesstaat.

Als Konsequenz aus der Ölpest will US-Präsident Barack Obama das innenpolitisch umstrittene Gesetz zur Förderung alternativer Energien vorantreiben. Die Abhängigkeit der USA von fossilen Brennstoffen und die anhaltenden Risiken der Ölförderung ließen "nur einen Weg" für die künftige Energiepolitik der USA zu, nämlich eine Abgabe auf Verschmutzung durch Kohlendioxid (CO2), sagte Obama in Pittsburgh. Er räumte ein, dass ein entsprechender Gesetzentwurf derzeit noch nicht über die nötige Mehrheit im Senat verfüge. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Öl hat mittlerweile den Mississippi erreicht

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