Pröll sucht den Konflikt, Schützenhöfer findet ihn

31. Mai 2010, 19:18
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Das Streiten wieder gelernt

Wien - Eineinhalb Jahre lang konnte sich Josef Pröll auf jede Umfrage freuen: Verlässlich legte seine Partei zu, verdrängte den großen Koalitionspartner vom ersten Platz. Und weil ein Finanzminister in Wirtschaftskrisen als besonders wichtig genommen wird, konnte Pröll auch persönlich Punkte sammeln: In der Kanzlerfrage lag er bis April deutlich vor Amtsinhaber Werner Faymann.

Vorbei. In den letzten Wochen ist das Koalitionsklima rauer geworden - und seit der Bundespräsidentenwahl, bei der sich die ÖVP selber aus dem Spiel genommen hat, sehen die Umfragewerte auch nicht mehr so rosig aus.

Parteichef Pröll setzt auf seine hohe Popularität - und stellt sich dem Konflikt mit dem Partner, wo er ihn nicht selber sucht. In Österreich kommentierte er den Populismus der burgenländischen SPÖ damit, dass sie "damit an die Wand gefahren" wäre.

Auch in der Steiermark hat man das Streiten wieder gelernt - die dortige Landespartei macht sich Hoffnungen, Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) zu entthronen. VP-Landesparteichef und Landeshauptmannvize Hermann Schützenhöfer: "Die Sozialdemokraten haben ihre Niederlagenserie fortgesetzt. Der große Befreiungsschlag, den sie erhofft haben, ist nicht eingetreten. Wir gehen sehr optimistisch in die Wahl."

In welcher Tonart die ÖVP ihren Wahlkampf anlegen wird, demonstrierte seine rechte Hand, Klubobmann Christopher Drexler ergänzend am Montag nach der Regierungssitzung. Drexler: "Der derzeit amtierende Landeshauptmann macht ja nichts, außer alle 14 Tage herumzupöbeln. Und das ist das Problem, das wir mit diesem Herrn haben: Von ihm kommt nur Verbal-Vulkanismus."

Ein ähnliches Problem haben die Wiener Stadt-Schwarzen: Sie wirken neben der FPÖ farblos, der Kampf um Platz drei mit den Grünen ist mäßig spannend. Dennoch verspürt VP-Chefin Christine Marek "Rückenwind" aus dem Burgenland. Bei dem Minus von 2,2 Prozent, das Franz Steindl eingefahren hat, klingt das eher nach Zweckoptimismus: Als Hoffnung der Stadt-Schwarzen (und auf Druck der Bundespartei hin) eingesetzt, kommt Marek kaum in die Gänge.

Insgesamt fehlt es der Partei an Profil, man verliert sich im Spagat zwischen der urban-liberalen Familien- und Wirtschaftspartei, als die sich die VP gerne sieht, und von der Innenministerin inspirierten Sicherheits- und Ausländerpositionen. (mue, hei, cs/DER STANDARD-Printausgabe, 1.6.2010)

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