"So mies"

31. Mai 2010, 13:56
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Spaniens Goalie Iker Casillas ist mit WM-Ball "Jabulani" keineswegs zufrieden

Wien - "Es ist traurig, dass so ein wichtiges Ereignis wie eine WM einen so miesen Ball hat. Er hat einen abgründigen Charakter" (Iker Casillas / Spanien). "Der Ball ist furchtbar. Schrecklich. Sehr schlecht. Er gleicht den Bällen, die man im Supermarkt kauft" (Julio Cesar / Brasilien). "Er ist ungeeignet, eine Schande" (Gianluigi Buffon / Italien). Noch keine WM-Kugel hatte schon vor dem Turnier eine derart schlechte Nachrede wie Jabulani, das Spielgerät für Südafrika. Die Hauptleidtragenden, die Torhüter, klagen am lautesten über das am 4. Dezember anlässlich der Endrunden-Auslosung in Kapstadt präsentierte Produkt von Adidas.

Der Hersteller pries ihn als "rundesten Ball der WM-Geschichte" . Ein Ball könne die Welt nicht verändern, "aber er kann die Botschaft der Hoffnung transportieren" , schwadronierte Fifa-Präsident Joseph S. Blatter. Aber auch echte Auskenner fanden Jabulani, was in der Zulu-Sprache so viel wie "feiern" oder "zelebrieren" bedeutet, ganz fabelhaft. "Seine Flugeigenschaften, die Präzision und auch das Design des Balles sind perfekt" , sagte David Beckham. "Der Ball macht genau das, was ich will" , jubelte Michael Ballack.

Nun, die beiden können verletzungsbedingt die aus nur acht Platten zusammengeschweißte Kugel nicht treten. Aber auch fitte Feldspieler, deren Trickkiste dank Jabulani noch etwas voller werden sollte, sind nicht einhellig begeistert. "Es ist unglaublich. Der Ball verhält sich, als würde er von jemandem geführt" , sagte der brasilianische Stürmer Luis Fabiano. Dänemarks Teamchef Morten Olsen brachte das Dilemma auf den Punkt. Der Ball sei schwierig zu kontrollieren und bei Pässen nur mit Mühe auf Tempo zu bringen.

Unbestritten ist, dass Jabulani zu plötzlichen Richtungsänderungen neigt. Er kann extrem stark angeschnitten werden und gerät dadurch in eine schnelle Rotation - das Ergebnis ist eine extreme Flugkurve, zuweilen auch unangenehme Flatterhaftigkeit.

David James, Englands Schlussmann, schwant Übles: "Viele Torhüter werden bei der WM blöd aussehen." Aber "Calamity James" neigt ohnehin zu einer gewissen Tollpatschigkeit. Unvergessen etwa ein 2004 von Andreas Ivanschitz erhaltener Gegentreffer im Happel-Stadion. Nach diesem 2:2 in der WM-Qualifikation war James sein Einserleiberl eine Zeitlang los. (sid, lü, DER STANDARD Printausgabe 4.6.2010)

 

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    Macht nicht alle happy: der WM-Ball "Jabulani".

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