Wissen sie, was sie tun?

27. Mai 2010, 16:02
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Haftstrafe für für Schauspieler Sebastian Münster, Festnahme des "Drugstore Cowboy"-Autors, vielsagende Krankenakte von Johnny Hallyday

Bonn/San Francisco /Paris - Einen ungeplanten Themenschwerpunkt könnte man es nennen: Drei Meldungen aus zwei Tagen über Substance Abuse und Outlaw-Gehabe von Showbiz-Männern - mit jeweils heftigen Folgen.

Der Schauspieler Sebastian Münster ist vom Landgericht Bonn wegen besonders schweren Raubes und Vergewaltigung in zwei Fällen zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung des 38-Jährigen in einer Entziehungsanstalt an. Der Vorsitzende Richter Josef Janßen sagte am Donnerstag in seiner Urteilsbegründung: "Ohne das Problem Drogen säße der Angeklagte gar nicht hier."

Der Schauspieler, der durch TV-Serien wie "Die Manns" oder "Die Camper" bekannt wurde, hatte vor Gericht gestanden, eine damals 18-Jährige und ihre Mutter im Dezember 2001 in deren Wohnung vergewaltigt zu haben. An den Taten des Angeklagten sei "nichts aber auch gar nichts minder schwer", sagte der Vorsitzende Richter.

Zum Prozessauftakt hatte Münster ausführlich über seine Drogensucht berichtet. Jahrelang habe er große Mengen an Kokain und Crack konsumiert. "Es war manchmal so viel, dass Junkies, die ich kennenlernte, sagten: 'Whoa, machen Sie mal langsam.'", erklärte der Schauspieler. Nachdem er einmal Heroin gespritzt habe, habe er sogar wiederbelebt werden müssen.

"Drugstore Cowboy"

In dem mehrfach preisgekrönten Film "Drugstore Cowboy" erzählt US-Regisseur Gus Van Sant die halbbiografische Geschichte eines Drogensüchtigen, der Apotheken ausraubt. Nun ist der Autor der gleichnamigen Romanvorlage, der 73-jährige James Fogle, bei einem Überfall auf eine Apotheke festgenommen worden.

Wie die "Seattle Times" am Mittwoch berichtete, wurde Fogle mit einem Komplizen beim Einbruch in Redmond im US-Staat Washington erwischt. "Er ist 73 Jahre alt, und das ist vermutlich das Einzige, was er kann", sagte Polizeisprecher Jim Bove. Die beiden bewaffneten Männer hätten am Dienstagabend eine Apotheke überfallen, dabei einige Angestellte gefesselt und Medikamente verlangt. Ein Mitarbeiter konnte die Polizei alarmieren.

Van Sant verfilmte 1989 Fogles damals noch unveröffentlichten Roman, der dessen Leben als Drogensüchtiger schildert, der mit Freunden Apotheken und Kliniken überfällt. Nach Verbüßen einer Haftstrafe brachte der Autor das Buch ein Jahr später auf den Markt. Van Sant, der die Hauptrolle mit Matt Dillon besetzte, feierte mit "Drugstore Cowboy" seinen Durchbruch. Die National Society of Film Critics verlieh ihm damals den Preis für den besten Film, Regie und Drehbuch.

Frankreichs Altrocker

Johnny Hallyday hat seine behandelnden Ärzte in den USA durch sein maßloses Trinken zum Staunen gebracht. Der französische Rock'n'Roll-Veteran, der im Dezember gut zwei Wochen in der kalifornischen Promiklinik Cedars-Sinai behandelt wurde, sei damals nicht wegen starker Schmerzen, sondern wegen schwerer Entzugserscheinungen und Delirium tremens ins künstliche Koma versetzt worden, berichtete das französische Magazin "L'Express" am Mittwoch unter Berufung auf die Krankenakte. Der 66-jährige Musiker müsse Tag für Tag "unglaubliche" Mengen getrunken haben, stellte ein Kardiologe dem Bericht zufolge fest.

Hallyday war am Sonntag nach monatelangem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten nach Frankreich zurückgekehrt. Er war Ende vergangenen Jahres in den USA ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem er wenige Tage zuvor in Paris wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert worden war. Das Management des französischen Superstars erklärte seinerzeit, Hallyday habe sich bei der Operation in Paris möglicherweise mit Krankenhauskeimen infiziert und habe in den USA zweimal ins künstliche Koma versetzt werden müssen, "um sein Leiden zu mindern".

Dem Bericht des "Express" zufolge waren dagegen seine Alkoholabhängigkeit und Atembeschwerden daran Schuld, dass die Ärzte ihn ins Koma versetzten. Ein Gutteil von Hallydays körperlichen Beschwerden gehe auf jahrelanges Rauchen und "übermäßigen Alkoholkonsum" zurück, zitierte die Zeitschrift aus dem Ärztebericht. In Frankreich sollen ärztliche Gutachter nun klären, ob die Pariser Privatklinik sich bei der Operation im November etwas zu Schulden kommen ließ.

Hallyday wolle sich nach den Untersuchungen in sein Chalet im Schweizer Nobelort Gstaad zurückziehen, hieß es in seinem Umfeld. (APA)

 

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    Als der Spaßfaktor noch vorherrschte: Johnny Hallyday 1962 on stage im Olympia in Paris

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