Mladićs Familie will den Haager Angeklagten für tot erklären lassen

25. Mai 2010, 17:50
273 Postings

Serbischer Staat will weiter nach Ex-General fahnden

Seit Jahren werden in Serbien Gerüchte verbreitet, dass der wegen Kriegsverbrechen gesuchte bosnische Serbe Ratko Mladić längst tot sei und dass ihn seine Anhänger begraben hätten, um die "Legende" über ihn aufrecht zu erhalten. Nun will die Familie den Ex-General auch offiziell für tot erklären lassen. "Wir werden ein entsprechendes Ansuchen dem zuständigen Gerichtshof in Belgrad bis Monatsende überreichen" , erklärte ihr Anwalt Miloš Saljić.

Die Familie selbst hat Interessen im Fall Mladić: Und zwar nicht nur wegen des eingefrorenen Eigentums und der Pension, sondern auch weil sie ständigen "Schikanen" ausgesetzt sei, sagte Saljić.

Das serbische Gesetz sehe vor, dass eine Person, die älter als 70 Jahre ist und über die es fünf Jahre keine zuverlässigen Angaben gibt, für tot erklärt werden kann, sagte der Anwalt. Da Mladić jedoch jetzt erst 68 Jahre alt wäre, müsse man beweisen, dass er "unter solchen Umständen verschwand, dass es wahrscheinlich ist, dass er nicht mehr lebt" .

Saljićs Argumente: Da Mladić seit sieben Jahren nicht mehr gesichtet wurde, ein schweres Magen- und Herzleiden hatte und deswegen mehrmals ins Spital musste, weil er wegen seines Gesundheitszustands auf der Flucht kaum Überlebenschancen hätte und weil von ihm trotz intensiver Fahndung der einheimischen und internationalen Geheimdienste und diverser Kopfjäger jede Spur fehle, könne man den logischen Schluss ziehen, dass er tot sei.

"Das ist eine Verhöhnung der staatlichen Institutionen" , sagte hingegen Rasim Ljajić, der Vorsitzende des serbischen Nationalrates für die Zusammenarbeit mit dem UN-Tribunal für Kriegsverbrechen. Die Familie mache dieses Theater, weil sie genau wisse, dass Mladić am Leben sei. Ljajić versicherte, dass der Staat die Fahndung nach Mladić mit gleicher Intensität wie bisher fortsetzen würde. Es wird vermutet, dass der serbische Geheimdienst und die Armee Mladić bis 2003 versteckt hatten. Mladić wird für den Genozid an 8000 Bosniaken im Jahr 1995 in Srebrenica verantwortlich gemacht. (DER STANDARD, Printausgabe 26.5.2010)

 

Share if you care.