Nachhilfe vom BZÖ

24. Mai 2010, 18:44
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In einem Land, in dem das Bekenntnis, dass man in der Schule schlecht in Mathematik war, als Ausweis von Intellektualität betrachtet wird, kann man nicht viel Verständnis für Wirtschaft erwarten

Über die Gesamtschule lässt sich schon deshalb gut streiten, weil man ziemlich unvorbereitet in die Diskussion einsteigen kann: Man weiß, welche Partei wofür steht - und umso lustiger ist es, wenn mal jemand wider den Stachel löckt. Schwieriger wird es, wenn man Organisationsfragen beiseitelässt und erörtert, was die Kinder eigentlich lernen sollten. Wirtschaft zum Beispiel.

In einem Land, in dem das Bekenntnis, dass man in der Schule stets schlecht in Mathematik war, bereits als Ausweis von Intellektualität betrachtet wird, kann man nicht viel Verständnis für Wirtschaft erwarten. Da geht es ja um "kalte" Berechnungen, die in der österreichischen Diskussionskultur viel lieber durch liebgewordene Vorurteile ersetzt werden. Einer Market-Umfrage ist etwa zu entnehmen, dass die Österreicher die Ursachen der aktuellen Wirtschaftskrise mit großer Mehrheit lieber "Banken und Spekulanten" zuschreiben als den Menschen, die Schulden angehäuft und über ihre Verhältnisse gelebt haben.

BZÖ-Chef Josef Bucher fordert nun, dass Kinder ab der fünften Schulstufe eine gezielte Wirtschaftsausbildung bekommen sollen. Das erscheint als höchst notwendig: Denn eine Überprüfung der Studierenden an Unis und Fachhochschulen hat gezeigt, dass deren Wirtschaftswissen mehrheitlich mit "Nicht genügend" zu benoten wäre. Mit angeblichen Schwächen von Haupt- und Gesamtschule hat das nichts zu tun. Die Überprüften hatten ja alle Matura. (Conrad Seidl/DER STANDARD Printausgabe, 25.05.2010)

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