Der pannonische Prüfstein

21. Mai 2010, 18:59
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Das Burgenland ist für alle ein bundespolitischer Test

Eisenstadt - Aus bundespolitischer Sicht gilt der pannonische Wahlgang am 30. Mai als eine Art Bewährungsprobe für Werner Faymann. Hans Niessl muss dem Erfolgsentwöhnten auf die Sprünge helfen, damit die Herbstwahlkämpfer Franz Voves und Michael Häupl nicht Schlitten fahren mit dem Kanzler.

Die Basis für solch ein Sandkastenspiel hat sich zuletzt allerdings verbreitert. Alle pannonischen Wahlkämpfer bringen ihre bundespolitischen Kaliber ins Spiel. Heinz-Christian Strache, Eva Glawischnig und Josef Pröll tingeln wacker durchs verregnete "Land der Sonne". Und den VP-Chef Franz Steindl muss irgendein Schalk reiten, jedenfalls taucht auch Maria Fekter da und dort leibhaftig auf.

Vielleicht hängt das mit einer gewissen Nervosität zusammen - und die mit der Erkenntnis, dass keineswegs nur die SPÖ in der bundespolitischen Bredouille ist. Die Mitte dieser Woche von den Bezirksblättern veröffentlichte GMK-Umfrage sieht nämlich die ÖVP bei ernüchternden 28 bis 31 Prozent (gegenüber 36,4 2005). Schon im Jänner, mitten in der Eberau-Debatte, kam ein ähnliches Ergebnis heraus. Was das für Josef Pröll bedeuten könnte, mag sich der wahrscheinlich gar nicht vorstellen, so weh würde das tun.

Quasi unter der Hand hat sich der regionale Wahlgang - der als Signal für die Steiermark und Wien immerhin über den Sommer Gültigkeit hat - auch für die Grünen und die FPÖ ausgewachsen.

Die Grünen wollen - und müssen wohl auch - beweisen, angesichts einer rechtsauslegenden SPÖ Wähler in Bewegung bringen zu können. In den Umfragen freilich liegen sie stabil bei fünf bis sieben Prozent. Da die Grünen an sich stets an einer Umfragehausse - bei gleichzeitiger Wahlbaisse - leiden, nicht gerade ermutigend.

Bei der FPÖ ist es normalerweise umgekehrt. Aber auch ihre pannonischen Umfragedaten - die Bezirksblätter sehen sie bei neun bis elf, der Standard bei sieben Prozent - haben Ernüchterungspotenzial angesichts der Tatsache, dass sie sich 2005 halbiert hat.

Mag sein, die Ankündigung des burgenländischen Strache-Vertreters Norbert Hofer auf derStandard.at hat bereits damit zu tun. Hofer erklärte, im Wiener Wahlkampf werde die FPÖ ihre bisherige Linie ändern: "Daham statt Islam wird es nicht mehr geben." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, 22.5.2010)

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