Mehrere Unbeteiligte im Cockpit der Unglücksmaschine

20. Mai 2010, 15:47
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Eine Stimme noch nicht identifiziert - Kommission gibt Piloten Mitschuld: Kein spezielles Krisentraining

Moskau - Fünf Wochen nach dem tödlichen Flugzeugabsturz des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski in Russland hat die bilaterale Untersuchungskommission MAK den Piloten eine Mitschuld gegeben. Die Piloten hätten trotz mehrfacher Warnung vor dichtem Nebel versucht, die Maschine vom Typ Tupolew TU-154 auf dem Flughafen der Stadt Smolensk zu landen.

Das sagte die Leiterin der Kommission, Tatjana Anodina, am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Die offizielle Untersuchung des Absturzes mit insgesamt 96 Toten habe zudem ergeben, dass die Piloten nicht besonders flugerfahren gewesen seien und in Polen kein spezielles Krisentraining erhalten hätten.

Genug Treibstoff

Das Flugzeug hatte laut Anodina genug Treibstoff an Bord, um die vom Flughafen Smolensk vorgeschlagenen Ausweich-Landeorte Minsk oder Moskau zu erreichen. Laut dem Cheftechniker der Untersuchungskommission, Alexej Morosow, streifte die Tupolew beim Landeversuch einen Baum. Danach hätten die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verloren.

Die Präsidentenmaschine mit Kaczynski und 95 weiteren ranghohen Passagieren war am 10. April abgestürzt. Niemand überlebte. Die Delegation, darunter Kaczynskis Frau, war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier im westrussischen Katyn, dem Ort eines sowjetischen Massakers an tausenden Polen im Frühjahr 1940.

Mehrere Menschen im Cockpit

Im Cockpit der Unglücksmaschine haben sich kurz vor dem Absturz neben der Besatzung auch weitere Menschen aufgehalten. Untersuchungen hätten ergeben, dass auch Nichtmitglieder der Crew anwesend gewesen seien.  Eine Stimme der im Cockpit zusätzlich Anwesenden sei "eindeutig identifiziert" worden, bei den übrigen bedürfe es noch zusätzlicher Informationen aus Polen, sagte sie. Wer im Cockpit war und worum sich die Gespräche drehten, wollte sie zunächst nicht sagen.

Unmittelbar nach der Katastrophe waren Spekulationen laut geworden, dass einer der Passagiere Druck auf die Piloten ausgeübt haben könnte, trotz des Nebels zu landen. Grund könnte gewesen sein, dass die Delegation nicht zu spät nach Katyn kommen wollte. Nach Angaben der Ermittler war die Maschine schon mit deutlicher Verspätung in Polen gestartet. (APA)

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