Schwere Vorwürfe von Vier Pfoten gegen Legebatterie im Bezirk Tulln

18. Mai 2010, 13:30
5 Postings

Ganzer Betrieb sei "illegal" und voller verwesender Tiere - Amtsarzt und Unternehmen dementieren

Schwere Anschuldigungen hat die Tierschutzorganisation Vier Pfoten gegen eine Hühner-Legebatterie im Bezirk Tulln erhoben. "Immense Überbelegung, Kannibalismus, wochenlang verweste, mumifizierte Tiere - vorsätzliche Tierquälerei an zigtausenden Hühnern" ortete Geschäftsführerin Johanna Stadler in einer Aussendung am Dienstag. "Das stimmt nicht", hieß es dagegen im betroffenen Betrieb.

"Was ich auf den Bildern gesehen habe, ist unerträglich und weit grauenhafter als jede Käfigbatterie des vorigen Jahrhunderts. Schon vor der Halle ist der Gestank nach Kot und Verwesung schwer zu ertragen", so Stadler. Zahlreiche tote Tiere würden außerhalb der Halle und im riesigen Kothaufen liegen, Eier seien teilweise mit Milben übersät. Eine Untersuchung zweier Kadaver aus dem Betrieb durch die Veterinärmedizinische Universität Wien habe ergeben, dass die Hühner bereits mehrere Wochen tot in den Käfigen gelegen seien und mumifiziert bzw. angenagt wären.

Der ganze Betrieb sei seit Ende 2008 "illegal", meinen die Tierschützer: Käfighaltung sei nur noch erlaubt, wenn es sich um sogenannte "ausgestaltete" Käfige handle, die bereits seit 2005 in dieser Form in Betrieb waren. Dies sei jedoch in diesem Unternehmen "nachweislich bis heute nicht der Fall", sagte die Geschäftsführerin der Organisation. Vier Pfoten habe deswegen am Freitag Anzeige erstattet. Auf ihrer Internetseite veröffentlichte die Tierschutzorganisation ein Video mit Aufnahmen aus dem beschuldigten Betrieb, zu sehen sind in Käfig gesperrte Tiere und tote Hühner.

Unternehmen behält sich rechtliche Schritte vor

Im betroffenen Unternehmen wollte man die Vorwürfe nicht weiter kommentieren. Man behalte sich rechtliche Schritte vor, hieß es.

Amtstierarzt Christoph Hofer-Kasztler bestätigte, dass eine entsprechende Anzeige eingegangen sei. Er habe daraufhin noch am Freitag den Betrieb aufgesucht und die beanstandeten Punkte kontrolliert. Das Unternehmen stehe unter regelmäßiger tierärztlicher Beobachtung und "bis dato" sei noch kein derart schwerer Mangel aufgefallen. Auch bei der neuerlichen Überprüfung vergangene Woche hätten sich die massiven Vorwürfe nicht bestätigt - weder im Zuge der Kontrolle noch bei Ansehen der Abholungsstatistik (durch die Tierkadaver-Verwertung, Anm.).

Die Vorwürfe der Tierschützer, der Arzt habe sich über zwei Stunden im Stall aufgehalten und danach seien mehrere Kadavertonnen gefüllt aus der Halle gebracht worden, konnte der Amtstierarzt nicht nachvollziehen. Der Betrieb umfasse 47.000 Hühner - dass eine Überprüfung mehrere Stunden dauere, sei also normal. Er habe insgesamt vier tote Tiere gefunden, die aber keine Hinweise auf Leberschäden, zu lange Krallen oder Ähnliches gezeigt hätten. Warum Vier Pfoten ihr normalerweise "seriöses und professionelles Level" verließen und versuchten, ihn schlecht zu machen, verstehe er nicht. Die Tierschutzorganisation brachte die Anzeige laut eigenen Angaben bei mehreren Stellen, unter anderem bei der Bezirkshauptmannschaft, der Polizei und dem Gesundheitsministerium ein. (APA)

Share if you care.