Wall Street und Gold nach EU-Rettungspaket deutlich fester

14. Mai 2010, 15:24
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die Wall Street tendiert nach dem Crash der Vorwoche und dem europäischen Rettungspaket deutlich fester. Der Dow Jones gewinnt 2,5% auf 10.783, der S&P 500 steigt 2,6% auf 1.157
und der Nasdaq Composite gewinnt 3,22% auf 2.394 Punkte. Der Dollar steigt zum Euro auf 1,24 und damit den höchsten Stand seit März 2009. Die stärkste Währung dürfte weiterhin
ganz klar Gold sein, der Preis für eine Unze steigt auf ein neues Allzeithoch von USD 1.250. Auf Euro-Basis wurden zahlreiche neue Höchststände markiert, die Marke von EUR 1.000 je
Unze dürfte demnächst geknackt werden.

Die Arbeitslosenquote stieg von 9,7% auf 9,9%, die Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze kletterte jedoch um 290.000 und damit so stark wie zuletzt vor 4 Jahren. Die Vormonatszahlen
wurden indes nach oben revidiert. Die Einzelhandelsumsätze enttäuschten indes. Die exakten Ursachen für den Kurssturz der Vorwoche sind weiterhin noch nicht geklärt. Vermutlich dürfte ein sogenannter "feedback-loop" entstanden sein, nachdem viele automatisierte Handelssysteme mit unterschiedlichen Regeln, gegeneinander agierten. Der Kurssturz der Vorwoche hat die SEC zu einer Krisensitzung veranlasst. Man wolle nun automatische Sicherungssysteme - "circuit breakers" - einführen, die den Handel verlangsamen, wenn die Volatilität zu hoch ist. Mittlerweile werden mehr als zwei Drittel aller Orders über vollautomatisierten Hochgeschwindigkeitshandel abgewickelt.

Fannie Mae meldete einen Verlust von USD 13 Mrd. Nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum von USD 23 Mrd. eine deutliche "Verbesserung". Der Umsatz fiel von USD 5,19 Mrd. auf 3 Mrd. Man müsse nun zusätzliche Staatshilfen in Höhe von USD 8,4 Mrd. beantragen. Im März hatte die US-Regierung zuletzt USD 15,3 Mrd. bewilligt, um eine Insolvenz zu verhindern. Die Aktie reagierte mit einem kleinen Kursgewinn.

Mit einem Plus von 18,2% zählte der Vermögensverwalter Legg Mason zu den größten Gewinnern. Im Q4 wurden 39 Cents verdient, im Vorjahresquartal war es noch ein Verlust in Höhe von USD 2,33 je Aktie.

Finanzwerte tendierten schwächer, nachdem die SEC-Untersuchungen nun weitergehen dürften. Morgan Stanley, Citigroup und JP Morgan Chase stehen derzeit im Fokus der Ermittler, nachdem man Investoren bei verbrieften Hypothekenkrediten falsch informiert hatte. Lt. Wall Street Journal gäbe es zahlreiche Parallelen zu der Affäre rund um Goldman Sachs. Moody's verliert 7,8%. Die SEC hatte der Ratingagentur nun "falsche und irreführende" Handelsweisen vorgehalten.

IBM gab bekannt, das Ergebnis bis 2015 verdoppeln zu wollen. Ähnliche Aussagen kamen auch von Intel, wonach man den Umsatz "in den nächsten Jahren" um 100% steigern wolle.
Netzwerkausrüster Cisco Systems meldete einen Gewinnanstieg von 63% auf USD 0,37. Nachdem der Konsens von 39 Cents ausgegangen war, wurde die Aktie abgestraft. Die Erlöse
kletterten um 27% auf USD 10,37 Mrd und damit stärker als erwartet.

Electronics Arts handelt schwächer, nachdem man die Umsatzerwartung für das laufende Geschäftsjahr nach unten revidiert hatte. Konkurrent Activision Blizzard konnte nach guten
Zahlen zulegen. Der Umsatz kletterte von USD 981 Mio. auf 1,3 Mrd. Der Konsens hatte mit einem Ergebnis von 4 Cents je Aktie gerechnet, schlussendlich lag das bereinigte Ergebnis bei
9 Cents.

McDonald's meldete einen deutlichen Anstieg der "same store sales". Restaurants die länger als 13 Monate geöffnet waren, konnten im Schnitt 4,9% mehr absetzen. Auf Konzernebene
stiegen die Erlöse um 10,3%. Kraft Foods konnte die Erlöse im Q1 um 26% steigern, der Nettogewinn stieg von 45 Cents auf USD 1,16 je Aktie.

In der nächsten Handelswoche werden noch einige wenige relevante Unternehmenszahlen veröffentlicht. So legen Lowe's, Home Depot, Wal Mart, Hewlett Packard, Dell und SABMiller Zeugnis über das Q1 ab. Die Berichtssaison ist jedoch de facto zu Ende. Auf Makroseite dürften der Empire Manifacturing Index, die Immobiliendaten und die Frühindikatoren für Impulse sorgen.

Die Nervosität dürfte sich langsam verringern, der VIX sank auf 26 Punkte. Wenn man sich die Erwartungen an die Gewinne ansieht, so ist derzeit schon sehr viel eingepreist. Für 2010
rechnet der Konsens nun mit einer Gewinnsteigerung um 29%, für 2011 sollen die Gewinne im S&P noch 18% wachsen. Unserer Meinung nach ist hier die Wahrscheinlichkeit für negative
Überraschungen deutlich größer. Aufgrund dessen und auch der schwachen Saisonalität denken wir, dass die US-Börsen in den nächsten Wochen weiterhin schwächer tendieren
sollten. Die 1.094 im S&P sollte vorerst jedoch gute Unterstützung geben.

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