Lenzing lässt in Asien noch stärkere Fäden spinnen

11. Mai 2010, 17:57
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Faserhersteller will in Indonesien, China und Indien auf mittlere Sicht 65 Prozent des Umsatzes machen

Außentemperaturen von konstant über 30 Grad und eine extrem hohen Luftfeuchtigkeit machen jede Bewegung im Großraum Jakarta (knapp 20 Mio. Einwohner) zu einem Saunagang. Was die Einheimischen durch Ausweichen auf Auto oder Mofa zu umgehen suchen, bringt Durchreisende angesichts rasch verschwitzter Textilien mitunter zur Verzweiflung.

Die Manager des oberösterreichischen Faserherstellers Lenzing hingegen haben insgeheim Freude, sehen sie doch in der Saugfähigkeit von Viskose, die sie in mittlerweile sechs Fabriken herstellen, ein probates Mittel, die Leiden transpirierender Leute zu lindern. Mit einem Weltmarktanteil von knapp 25 Prozent liefern sie sich ein Kopf-an-Kopf Rennen mit der indischen Birla-Gruppe und reklamieren bei den hochqualitativen Fasern die Führung.

"Viskose hat eine ähnlich saugende Eigenschaft wie Baumwolle und reduziert Gerüche", sagte Finanzvorstand Thomas Winkler bei einem Lokalaugenschein in Jakarta dem Standard. Winkler ist Anfang April aus der Telekombranche zu Lenzing gestoßen.

Er habe sich im Schnellverfahren abseits der Finanzen "auch über die Produkte kundig gemacht, die wir erzeugen". Weil der Baumwollanbau nicht zuletzt aufgrund des enormen Ressourcenverbrauchs weltweit zurückgehe, sei die Perspektive für die Produktion naturnaher Fasern sehr gut.

In Kombination mit Polyester, der am weitest verbreiteten Kunstfaser (63Prozent des knapp 70 Mio. Tonnen schweren Weltfasermarkts) und mit Baumwolle (32 Prozent) werden Viskosefasern, die in Spinnereien zu Garn verarbeitet werden, in verschiedensten Anwendungen erprobt. Derzeit ist die aus Cellulose gewonnene Viskose mit einem Anteil von knapp fünf Prozent an der Weltfaserproduktion noch ein Nischenprodukt; ihr Anteil aber steigt stetig.

Die jüngste Produktion von Lenzing wurde am Mittwoch in Purwakarta, rund 100 Kilometer südwestlich der indonesischen Hauptstadt, in Betrieb genommen. 150 Mio. Dollar hat Lenzing für die vierte und vorerst letzte Produktionslinie aufgebracht - die bisher größte Einzelinvestition der Oberösterreicher im Ausland.

Die Produktionskapazität der South Pacific Viscose (SPV), an der Lenzing gut 90 Prozent hält (Rest gehört lokalem Finanzinvestor) wurde um 60.000 Tonnen auf 220.000 Tonnen erhöht und soll bis Jahresende auf 240.000 Tonnen steigen. Zum Vergleich: Am Heimstandort in Lenzing können bis zu 255.000 Tonnen Viskosefasern hergestellt werden.

Fasernachfrage steigt wieder

Nach dem Einbruch des Weltfasermarktes um 7,0 Prozent 2008 ist nun wieder Wachstum angesagt. Bereits im Vorjahr nahm die weltweite Faserproduktion um 1,9 Prozent zu und soll heuer noch kräftiger wachsen. Die indonesische Regierung will durch finanzielle Anreize Spinnereien im Land zur Modernisierung ihres veralteten Maschinenparks bringen. Damit soll die Industrie gegen die zunehmende Überschwemmung des Landes mit Billigtextilien aus China gestärkt werden.

Lenzing will in Asien schon in fünf Jahren knapp zwei Drittel des Umsatzes machen. Derzeit sind es gut 50 Prozent. Zu diesem Zweck soll, wie Vorstandssprecher Peter Untersperger ankündigte, die Produktion im chinesischen Nanjing weiter ausgebaut und im indischen Markt, der bisher vom Hauptkonkurrenten Birla allein kontrolliert wird, eine Produktion gestartet werden. Die Entscheidung soll noch heuer fallen.

Im ersten Quartal legte Lenzing bei Umsatz und Ertrag stark zu. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2010)

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