"Maß-Menschen"

10. Mai 2010, 11:30
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Pränataldiagnostik und die Folgen - In "kreuz und quer" am 11. Mai

Wien - Wann beginnt das menschliche Leben und wie geht die Gesellschaft mit den vorhandenen Möglichkeiten zur Analyse des werdenden Menschen um? Mit "Maß-Menschen" und "Frühchen zwischen Leben und Tod" beschäftigt sich "kreuz und quer" am Dienstag, dem 11. Mai 2010, ab 22.30 Uhr in ORF 2:

"Maß-Menschen" - Eine Dokumentation von Kurt Langbein und Andrea Zeidler (22.30 Uhr, ORF 2)

Frau Zorzi hat sich auf Anraten der Ärzte für eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden: Sie war bereits knapp 40, das Risiko, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen sollte ausgeschlossen werden. Ihr Kind ist dabei gestorben - es wäre gesund gewesen. Das Ehepaar Königswieser hat sich trotz Anraten der Ärzte gegen eine Abtreibung ihres - so die Diagnose der Pränatal-Genetiker im Wiener AKH - schwerstbehinderten und nicht lebensfähigen Mädchens entschieden. Die Überraschung bei der Geburt: Der Bub ist kerngesund.

"Kollateralschäden" bei der vorgeburtlichen Diagnostik und Fehldiagnosen zeigen drastisch, wie groß das ethische Spannungsfeld durch die rasch wachsenden Möglichkeiten, Gendefekte zu identifizieren, wurde. "Wir können immer mehr diagnostizieren, haben aber kaum Therapien dafür", beschreibt Medizin-Ethiker Matthias Beck das Dilemma, "und das ist das eigentliche ethische Problem, dass nach solchen Diagnosen meist eine Abtreibung erfolgt." Ist der "Mensch nach Maß" Zukunftsvision oder bereits Realität? Kurt Langbein und Andrea Zeidler haben sich anhand bewegender Einzelschicksale auf die Suche nach Antworten zu diesem ethisch-moralischen Spannungsfeld begeben.

"Frühchen zwischen Leben und Tod" - Eine Dokumentation von Rob Hof (23.10 Uhr, ORF 2)

In Maastricht befindet sich eines der zehn Neonatologie-Zentren Hollands. Rund 300 Babys pro Jahr werden hier behandelt. Die eine Hälfte stammt aus Maastricht selbst, die anderen werden aus den umliegenden Bezirkskrankenhäusern hierher gebracht. Alle diese Babys haben mit schweren Beeinträchtigungen zu kämpfen: Entweder sind sie viel zu früh auf die Welt gekommen oder sie weisen ernsthafte Entwicklungsprobleme auf. Dank intensivmedizinischer Betreuung in der Abteilung für Neonatologie, die sich manchmal über viele Wochen hin erstrecken kann, erwartet die meisten dieser Kinder später ein ganz normales und gesundes Leben. Dennoch lässt es sich nicht verhindern, dass hier eines von zehn Frühchen stirbt und eine beträchtliche Zahl nur mit mehr oder weniger schweren Behinderungen überlebt. Eine traumatische Situation für ÄrztInnen, Pflegepersonal und vor allem für die betroffenen Eltern. Denn sie alle müssen sich der Frage stellen, ob ein Frühchen auf jeden Fall behandelt werden soll oder man es unter bestimmten Umständen einfach sterben lässt.

In den Niederlanden gilt die Regelung, dass Frühchen, die vor der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, grundsätzlich nicht behandelt werden. Doch auch bei Kindern, die nach dieser Frist geboren werden, wird sorgfältig abgewogen, ob eine bereits begonnene Behandlung fortgesetzt oder abgebrochen werden soll. So ist es beim kleinen Nigel Gubbels, der nach nur 25 Schwangerschaftswochen auf die Welt gekommen ist - mit einer Lunge, die nicht funktioniert, mit Hirnblutungen und mit einer schweren Infektion. Außerdem ist sein Gehirn nicht vollständig ausgebildet. Als Kriterium für die Entscheidung über Leben und Tod wird seine künftige Lebensqualität herangezogen. Wird er später ein lebenswertes Leben führen können, wobei nicht genau definiert ist, was "lebenswert" tatsächlich heißt, oder wird er in schwerstbehindertem Zustand vor sich hindämmern müssen? Eine ethisch schwierige Entscheidung, die nicht leichtfertig getroffen werden darf, wie die berührende Dokumentation des niederländischen Filmemachers Rob Hof (deutsche Bearbeitung: Rosemarie Pagani-Trautner) zeigt. (red)

Hinweis:

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek als Video-on-Demand abrufbar.

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