Krise macht Altstoffe zu Mist

6. Mai 2010, 13:55
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Die Altstoffsammler bekamen die Krise stark zu spüren: Die Rohstoffpreise implodierten zu Jahresbeginn an den Weltmärkten

Wien - Das Krisenjahr 2009 war für Altstoff Recycling Austria AG (ARA) schwierig. Zu Jahresbeginn gab es eine Implosion der Rohstoffpreise auf den Weltmärkten, die Altstoffwirtschaft war bei den Sekundärrohstoffen von Preiseinbrüchen bis zu 90 Prozent gekennzeichnet, für die Verwertung musste zum Teil gezahlt werden. Die schwierigen Rahmenbedingungen führten zu Leistungseinschränkungen - einige Verwerter stellten für längere Zeit den Betrieb ein, darauf wurden in manchen Ländern die Sammlungen eingestellt. Durch die massive Nutzung von Pufferlagern überbrückte die ARA diese Zeit und sammelte weiter, so Christoph Scharff, Vorstandssprecher der ARA.

Österreicher sammeln fleißig

Die Sammelleistung der Österreicher blieb trotz der Krise ungebrochen. Im Schnitt sammelte jeder Bürger 116,6 kg Altpapier und Verpackung, nur knapp hinter dem Ergebnis von 2008, wo der Schnitt bei 118,5 kg lag. Auch 2009 waren die Vorarlberger mit einer Pro-Kopf-Menge von 148 kg (149 kg 2008) die fleißigsten Sammler in Österreich, das Schlusslicht bildete wie schon im Vorjahr die Wiener mit 96 kg (100 kg 2008) pro Kopf.

Die gesamte Erfassungsmenge an Verpackungen aus Haushalt, Industrie und Gewerbe blieb mit 824.000 t auf dem annähernd gleichen Niveau wie 2008 mit 823.000 t. Während bei Kunststoffverpackungen ein Plus von 1,3 Prozent und bei Glas ein Plus von 1,2 Prozent verzeichnet wurde, gab es beim Altpapier eine leichten Rückgang von 1,6 Prozent. Das Minus betraf jedoch kaum das Verpackungsmaterial, sondern vor allem Werbematerial, Zeitungen und Druckpapier.

Von den 824.000 t der Gesamterfassungsmenge wurden 774.000 t wiederverwertet. Die Differenz der gesamten Erfassungsmenge und der wiederverwerteten Menge ergibt sich aus planmäßig erfassten Getränkeverbundkartons und aus mitgesammelten Nicht-Verpackungen und Müll. 86 Prozent der wiederverwerteten Menge wurden einer stofflichen Verwertung zugeführt und die verbleibende Menge wurde in der Industrie als Ersatzbrennstoff verwendet.

Studie

Bei der aktuellen Einweg- Mehrweg-Debatte, die vor allem den Getränkemarkt betrifft, zeigt nun eine in Deutschland durchgeführte Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (IFEU), dass beide Verpackungsarten den gleichen "ökologischen Footprint" hinterlassen. Bei den von IFEU verglichenen Verpackungen liegt der Unterschied unter zehn Prozent. Die IFEU-Studie soll auch in Österreich durchgeführt werden, so Leo Schreiber, Aufsichtsratsvorsitzender der ARA und Präsident des Österreichischen Getränkeverbands.

Im Vorjahr führte die ARA über 10.000 Änderungen an Sammelbehältern, Standorten und Abfuhrfrequenzen durch und stellte neue Sammelbehälter auf. Im Vorjahr gab es österreichweit 1,35 Mio. Sammelbehälter, nun sind es 1,4 Mio., hinzu kommen 1,43 Mio. Haushalte, die an das Leichtverpackungssystem ("Gelber Sack") angeschlossen sind, dieser Wert ist verglichen mit 2008 unverändert. Im ersten Quartal 2009 lag die Kundenzahl der ARA bei 15.000, Ende des Jahres waren es 15.153 Kunden. Die ARA deckt nach Eigenangaben im Haushaltsbereich 91 Prozent des Marktes ab und 55 Prozent im Gewerbebereich.

Die ARA rechnet 2010 mit Lizenzeinnahmen von 173 Mio. Euro. Für die Tarifkalkulation bleibt die Entwicklung auf den Altstoffmärkten weiter spannend. Der aktuelle Trend zeigt wieder nach oben, stabilisieren sich die Märkte nachhaltig, können die Tarife wieder gesenkt werden, hieß es. (APA)

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