Giro ohne Mentschow, Freire und Contador

6. Mai 2010, 15:43
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Gesamtsieger der vergangenen zwei Jahre nicht am Start - Österreicher-Trio hofft auf Teilerfolge - Rundfahrtdebüt für Eibegger und Brändle - Valverde Sperre rechtens

Den italienischen Radprofis wird der Sieg in ihrer Landesrundfahrt auch heuer nicht leicht gemacht. Der Russe Denis Mentschow (2009) und der Spanier Alberto Contador (2008) hatten zuletzt die lange Erfolgsserie der Azzurri (von 1997 bis 2007) beendet, und auch in der am Samstag in Amsterdam beginnenden 93. Auflage fordern Spezialisten wie Cadel Evans (AUS), Carlos Sastre (ESP) und Alexander Winokurow (KAZ) die heimische Elite um Ivan Basso, Stefano Garzelli und Damiano Cunego.

Österreich wird im Streckenplan diesmal links liegengelassen, dafür stehen drei ÖRV-Profis am Start. Der Tiroler Thomas Rohregger (Team Milram) hat nach seinem vorjährigen Debüt in einer dreiwöchigen Rundfahrt die Gesamtwertung im Auge und möchte seinen 29. Platz aus dem Vorjahr verbessern. Für den Steirer Markus Eibegger und den Vorarlberger Matthias Brändle (beide Footon-Servetto) stellt der Giro eine Premiere dar, sie möchten auf einzelnen Etappen auf sich aufmerksam machen.

Ohne Contador Freire und Mentschow

Der spanische Radprofi Oscar Freire musste seine Teilnahme absagen. Der dreifache Weltmeister aus dem niederländischen Rabobank-Rennstall laboriert an einer Nebenhöhlenentzündung. Für Freire wäre es die Giro-Premiere gewesen, bei Tour de France und Vuelta hat der Sprint-Spezialist bereits Etappen gewonnen.

Superstar Contador (Team Astana) und Mentschow (Rabobank) verzichten zugunsten einer intensiven Vorbereitung auf die Tour de France diesmal auf ein Antreten, die Besetzung kann sich dennoch sehen lassen. Weltmeister Evans, der zweifache Zweite der Tour de France, hat mit dem Giro noch eine Rechnung offen. 2002 hatte er für einen Tag das Rosa Trikot getragen, war aber als Spitzenreiter in einer Bergetappe völlig eingebrochen. Der 33-Jährige (zweifacher Gewinner der Österreich-Rundfahrt) fährt heuer für das neue BMC-Team (USA) und trägt die Nummer eins.

Auch der Vorjahrs-Dritte Sastre (Cervelo) hat große Ambitionen und Winokurow (Astana) hat nach seiner im Herbst 2009 abgelaufenen zweijährigen Dopingsperre viel vor. Der Vuelta-Gewinner von 2006 möchte einen weiteren Gesamtsieg, seine Topform hat er mit Siegen in der Trentino-Rundfahrt und bei Lüttich-Bastogne-Lüttich bewiesen. Am Start stehen auch der Schotte Bradley Wiggins (Sky) und Christian Vandevelde (USA/Garmin), der Vierte bzw. Achte der Tour de France 2009.

Die italienischen Rennställe bieten alle noch aktiven Giro-Sieger vergangener Jahre auf. Ivan Basso (2006), Damiano Cunego (2004) und Stefano Garzelli (2000) zählen erneut zu den Mitfavoriten, der zweifache Gewinner Gilberto Simoni (2001/03) verabschiedet sich als Teamkollege von Cunego im Lampre-Team von der großen Bühne.

Rohregger hofft auf letzte Woche

Rohregger hat die Gesamtwertung im Auge, möchte aber abwarten, wie sich alles entwickelt. Vorerst möglichst wenig Zeit verlieren und Kräfte sparen lautet seine Devise. Seine Kollegen Linus Gerdemann und Fabian Wegmann sind auf Etappenerfolge aus, der 27-jährige Ex-Gewinner der Österreich-Tour möchte seine Kletter-Qualitäten ausspielen. "Ich schaue vor allem auf die letzte Woche, sollte es in der Gesamtwertung nicht klappen, werde ich versuchen, auf einer Etappe vorne dabeizusein."

Eibegger sieht die erstmalige Teilnahme als "Karriere-Highlight". Er wisse nicht, was auf ihn zukomme, "aber ich will nicht nur dabeisein", erklärte der Steirer. Weil im Footon-Aufgebot kein ausgewiesener Anwärter auf einen vorderen Gesamtrang steht, sind Eibegger und der erst 20-jährige Brändle von Helfer-Aufgaben weitgehend entbunden. "Ich werde versuchen, in Fluchtgruppen dabeizusein, vielleicht komme ich mit einer durch", sagte der Vater einer vier Monate alten Tochter.

Die Streckenführung ist enorm fordernd. Nach drei Etappen in den Niederlanden wartet auf dem achten Abschnitt auf den Terminillo die erste von sechs Bergankünften. Monte Zoncolan (15. Etappe am 23. Mai), nach einem Ruhetag ein Bergzeitfahren auf den Kronplatz und eine weitere Bergankunft in Pejo Terme leiten die letzte Woche ein, ehe bei weiteren Bergankünften in Aprica (28.5./mit dem gefürchteten Mortirolo-Pass) und auf dem Tonale-Pass (mit Livigno und Gavia-Pass) die Vorentscheidung fällt. Der Sieger wird nach dem abschließenden 15,3-km-Zeitfahren in Verona am 30. Mai feststehen.

Valverde Sperre rechtens

Ein Madrider Gericht hat unterdessen das Vorgehen des Olympischen Komitees Italiens (CONI) im Dopingverfahren gegen den spanischen Radprofi Alejandro Valverde für rechtens erklärt. Die Richter entschieden, dass das CONI bei der Beschaffung eines Blutbeutels aus dem Labor des mutmaßlichen Dopingarztes Eufemiano Fuentes nicht gegen das Gesetz verstoßen hat. Sie hoben nach Medienberichten vom Donnerstag damit die Entscheidung des zuständigen Ermittlungsrichters auf, der die Blutkonserve als ein illegales Beweismittel eingestuft hatte.

Das CONI hatte es als erwiesen angesehen, dass der Blutbeutel mit der Aufschrift "Piti Valv" von Valverde stammte, und den Spanier 2009 für zwei Jahre gesperrt. Die Sperre gilt allerdings nur für Italien. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) muss entscheiden, ob die Sperre auf alle Länder der Welt ausgedehnt werden kann. Valverde ist derzeit die Nummer eins der Weltrangliste des Weltverbandes UCI. (APA)

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