Rasches Ende laut Wiener Experten unrealistisch

4. Mai 2010, 10:56
posten

Schrägbohrung wahrscheinlichstes Szenario zur Beendigung der Katastrophe - Peter Seifert: "Wird aber Monate dauern"

Ein rasches Ende der sich vor der Südostküste der Vereinigten Staaten ausbreitenden Ölpest ist laut Peter Seifert, Leiter der Geologischen Bundesanstalt in Wien und ehemaliger Manager von Erdölkonzernen wie der OMV, "unrealistisch". Das wahrscheinlichste Szenario, wie das Bohrloch verschlossen werden kann, ist für den Erdwissenschafter eine zusätzliche Bohrung. Das werde allerdings Monate in Anspruch nehmen, sagte Seifert

Das mittlerweile kolportierte Verfahren, den vom Meeresboden aufsteigenden Ölstrom mittels riesiger Glocken zu sammeln und dann abzupumpen, hält Seifert für "durchaus interessant, aber technisches Neuland und einfach nicht ausgereift". Derartige Glocken könnten innerhalb von Wochen installiert werden. Dann gehe es aber darum, wirklich die Masse des aufsteigenden Öls aufzufischen. Es sei kaum zu erwarten, dass das Material in konzentrierten Strömen nach oben gelangt, vielmehr würden sich Öl und Wasser durch Meeresströmungen schon teilweise vermischen.

Zusatzbohrung

Eine Zusatzbohrung sei "sicher machbar und zielführend", so der Experte weiter. Dabei wird das alte Bohrloch in einer Tiefe von einigen Hundert Metern mittels einer Schrägbohrung angestochen. "Das alte Loch zu treffen, wird nicht leicht, aber es wird letztendlich gelingen", ist Seifert überzeugt. Anschließend erzeugen die Techniker über das neue Loch Gegendruck und bringen so das aussprudelnde Öl zum Versiegen.

Tut man gar nichts, könne die durch die Katastrophe gekappte Leitung noch viele Jahre Rohöl ins Meer spucken. Wie lange, hängt vom Druck und damit von der Größe der Lagerstätte ab.

Eine andere Möglichkeit, dass etwa das Bohrloch durch Tauchroboter doch noch verschlossen werden kann, hält Seifert für unwahrscheinlich. Wenn das Rückschlagventil an der Basis der Leitung am Meeresgrund funktioniert hätte, wäre die ganze Katastrophe gar nicht passiert. Das Ventilsystem im Nachhinein gegen den gewaltigen Druck des Öls zu reaktivieren, sei praktisch unmöglich. Illusorisch sei es auch, irgendwelche Betonstöpsel oder Ähnliches über dem Bohrloch anbringen zu können. (APA)

Share if you care.