Aufnahmetests sollen Andrang bremsen

3. Mai 2010, 16:12
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Studieneingangsphasen mit Aufnahmetests sollen den Andrang an den Unis bremsen

Wien - Für angehende Publizistikstudenten baut die Bundesregierung eine Hürde ein: Aufgrund des starken Andrangs und des daraus resultierenden schlechten Betreuungsverhältnisses zwischen Professoren und Studierenden soll es bereits ab dem Erstsemester 2010 Zugangsbeschränkungen geben. Für das Publizistikstudium, das an den Universitäten in Wien, Klagenfurt und Salzburg angeboten wird, muss man sich künftig mit einem Aufnahmetest qualifizieren. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (VP) soll in der heutigen Ministerratssitzung, der ein Geburtstagsfrühstück mit Bundeskanzler Werner Faymann vorausgeht, einen mit der SPÖ akkordierten Antrag einbringen.

Keine Einigung gibt es nach wie vor in der Frage, wie man mit den Anträgen der Wirtschaftsuni Wien für "Sozial- und Wirtschaftswissenschaften" sowie "Wirtschaftsrecht" und der Unis Wien, Graz und Innsbruck für Architektur umgehen soll. Die ÖVP möchte jetzt über eine Neugestaltung der Studieneingangsphase mit Aufnahmetests verhandeln. Das Uni-Gesetz in der jetzigen Form sieht keine Aufnahmeverfahren vor, die ÖVPmöchte es aber allen Unis freistellen, nach Bedarf solche qualitativen Aufnahmetests einzuführen. Bis Oktober sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein.

Dass die SPÖ nun der Zugangsbeschränkung für Publizistik zustimmt, sieht man bei der ÖVP nicht ganz ohne Häme: Da habe wohl die rote Landeshauptfrau Gabi Burgstaller aus Salzburg den Genossen in Wien Beine gemacht, weil die Salzburger Publizistik selbst intensiv betroffen sei und auf eine Lösung warte.

Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm wundert sich über "das unstrukturierte Vorgehen" der Bundesregierung, wie er im Gespräch mit dem Standard sagt. "Ich kann den Unmut der Studenten verstehen." Zugangsbeschränkungen steht er sehr skeptisch gegenüber. Was er sich vorstellen kann, sind "Orientierungssemester mit einer gewissen Verschulung" , sagt er. "Prinzipiell bin ich aber ein glühender Verfechter des freien Hochschulzugangs." Muhm fordert eine Aufstockung der Ressourcen. "Dass man 80 Prozent der Leute rausprüft, kann auch nicht die Lösung sein." An strukturellen Maßnahmen ließen sich etwa die Universität für Bodenkultur mit jener für Veterinärmedizin zusammenlegen, die Architekturstudien vereinheitlichen oder die katholischen Hochschulfakultäten, bei denen er ein Betreuungsüberangebot sieht, reduzieren. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 4.5.2010)

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