Ein Aufschlag für Liberale

3. Mai 2010, 17:01
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Michael Völker müsste bei "Big Boys Toys" für einen alten, eigentlich wohlfeilen Camaro ordentlich in die Tasche greifen

Bitte, ich war nicht in Kalifornien, wie der Kollege an dieser Stelle unlängst behauptet hat, sondern in den Südstaaten der USA, von New Orleans aufwärts, Memphis, Nashville, dann ein bissl rechts rüber, Smoky Mountains, dann wieder runter, Florida, und zurück. Im Libanon war ich auch. Genauer gesagt in Lebanon in Tennessee. Ein Schild, das "Big Boys Toys" ankündigte, lockte mich von der Autobahn herunter. Ich traf dort Rodger, Präsident von Big Boys Toys. Und sie standen aneinandergereiht: Ford Mustang Mach 1, Pontiac Firebird, Chevy Chevelle SS, El Camino und, und, und, alle aus den frühen Siebzigern, perfekt hergerichtet, die schweren Big Blocks, also die richtig tollen Motorisierungen, dazu noch etliche Pickups, auch aus den 60er-Jahren, ich nenne jetzt einmal einen 63er Ford Custom mit dem 460 Big Block.

Rodger erzählte mir, dass er die Sammlung verkaufen will, er möchte ins Immobiliengeschäft einsteigen. Ich wunderte mich über den Zeitpunkt, aber wenn er glaubt ... Rodger war sofort mein bester Freund. 18.000 Dollar wollte er pro Auto, egal welches. Das erschien mir wohlfeil.

Tom gesellte sich zu uns, aus North Carolina, der Mann veranlagt Geld. Was ich denn so mache. Journalist, gab ich zurück. Tom ließ betrübt die Schultern hängen, das täte ihm leid für mich, und ich solle mir nichts draus machen, aber Journalisten mag man hier nicht. Sie gelten als liberal, erklärte er. Und liberal, das wüsste ich sicher, sei in dieser Gegend ein ernstzunehmendes Schimpfwort. Dennoch würde er mir privat seinen 67er Camaro SS verkaufen, ein Prachtstück. 28.000 Dollar. Ich blickte auf Rodgers Autos und dachte mir: Aha, 10.000 Dollar Aufschlag fürs Liberal-Sein. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/30.4.2010)

  • Ein 67er Camaro kostet schnell einmal das Doppelte, wenn man den falschen Beruf hat.
    foto: christian fischer

    Ein 67er Camaro kostet schnell einmal das Doppelte, wenn man den falschen Beruf hat.

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