"Die große Odyssee beginnt"

3. Mai 2010, 13:08
posten

Die griechische Regierung hat sich mit der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) auf ein hartes Sparprogramm verständigt und sich damit ein beispielloses Rettungspaket von 110 Mrd. Euro über drei Jahre gesichert. Hier einige Pressestimmen aus den griechischen Tageszeitungen:

Die Wirtschaftszeitung "Kerdos" schreibt: "Die große Odyssee beginnt, unsere letzte Chance. Der Zahltag ist gekommen. Die Zeit der Verantwortung für uns alle, die Krise zu bekämpfen, muss zur großen Chance werden, unser öffentliches Leben zu modernisieren, auch wenn wir zu bluten haben. Es ist nicht nur eine große Chance, sondern auch unsere letzte."

Die links-liberale Zeitung "Eleftherotypia": "Vier Jahre ohne Verschnaufpause. Der Sturm der Sparmaßnahmen trifft vor allem jene im öffentlichen Dienst, die nun für das Versagen der Regierungen geradestehen müssen, weil diese den Staat nicht aufgeräumt und die Steuerflucht und Verschwendung nicht bekämpft haben ... Die Maßnahmen sind nötig, um den Bankrott zu verhindern - aber sie sind ungerecht. Sie treffen fast ausschließlich die Leute, die ein auf's andere Mal die Rechnung zu zahlen haben: die Arbeitnehmer und Pensinisten"

Die gemäßigte "Ta Nea" schreibt: "Das große Opfer. Die Art uns Weise, wie wir gelernt haben zu leben, zu arbeiten, Güter zu erwerben und unser gesamtes Leben zu organisieren hier am südlichen Zipfel des Balkans, ist seit gestern Geschichte."

Die links-liberale Zeitung "Etnos" schreibt: "Fünf Jahre Sauerstoffmangel. Die Lösung des 'Hilfsmechanismus' von EU/IWF ist eine verspätete 'Zwangsmodernisierung' des gesamten Landes. Seine Umsetzung hat einige harte, soziale Folgen, die wir nicht vermeiden können, wenn wir das Netz der Interessen zerschlagen wollen, die uns in die heutige Sackgasse geführt haben."

Die rechts-konservative "Apogevmatini" geht mit der sozialistischen Regierung hart ins Gericht: "Die Regierung räumt ein, dass ihr Stabilisierungsplan gescheitert ist und verlangt dem Volk harte Opfer ab, ohne einen Plan für ein Ende der Krise zu präsentieren. Wer hat der Regierung das Mandat gegeben, jeden einzelnen Griechen zu demütigen?"

Das Finanzblatt "Imerisia" gibt dagegen zu Bedenken: "Um es klarzustellen: Die schmerzhaften Maßnahmen, mit der die Regierung die Zahlungsunfähigkeit verhindern will, sind ein nachträgliches Schuldeingeständnis und eine Bankrotterklärung unseres politisches Systems - denn es war genau dieses System, das das Land vor die Wand gefahren hat... Angesichts der Tatsache, dass Sparkurs und Rezession nicht zu vermeiden sind, müssen wir nun hoffen, dass die Regierung die nötige Entschlossenheit aufbringt, das angekündigte Sparprogramm auch umzusetzen... Es ist ein Trost, dass alle Griechen nun gemeinsam das Land neu erfinden müssen - mit Regeln für alle. Wir schulden es den Jungen, wir sollten Buße tun für die Schulden, die wir ihnen aufbürden - den Geborenen und Ungeborenen." (APA/Reuters)

Share if you care.