Studie zu Drogenkampf: Durchgreifen führt zu Eskalation

27. April 2010, 17:54
posten

Britisch-kanadischer Bericht über 300 Einzelstudien - Exdrogenboss hält Daten für falsch interpretiert

Mexiko-Stadt - Ein hartes Vorgehen staatlicher Behörden gegen Drogenkartelle führt einer Studie zufolge immer zur Eskalation von Gewalt. Je stärker die Polizei Drogenhändler ins Visier nehme, desto blutiger werde deren Machtkampf um die Profite ausgetragen, heißt es in dem Dienstag veröffentlichten Bericht britischer und kanadischer Forschungsinstitute.

Der Bericht basiert auf mehr als 300 Einzelstudien über den Anti-Drogen-Kampf der vergangenen 20 Jahre. Im Mittelpunkt stehen die derzeitige Lage in Mexiko sowie die Situation in Kolumbien in den 90er-Jahren. Zum Vergleich wird auch die Zeit des Alkoholverbots in den USA herangezogen.

Dem Bericht nach ergab sich in 87 Prozent aller untersuchten Fälle ein Anstieg der Gewalt, wenn die Behörden zunehmende Härte zeigten. In keiner Einzelstudie wurde ein bedeutsamer Rückgang registriert.

Die Behörden sollten sich deshalb mehr auf gesundheitliche Aufklärung konzentrieren, verlangte Gerry Stimson von der International Harm Reduction Association (Internationale Vereinigung zur Schadenreduzierung) in Liverpool. Vom in Großbritannien und Kanada ansässigen International Centre for Science in Drug Policy (Internationales Zentrum für eine wissenschaftliche Drogenpolitik) wurde er darin bestärkt.

Kritik von Milieu-Kenner

Ex-Drogenboss John Walters erklärte dagegen, die Forscher hätten die Daten völlig falsch interpretiert. Die wachsende Gewalt spiele sich vor allem innerhalb der Drogenkartelle selbst ab. Dies sei ein Zeichen dafür, dass sie infolge der staatlichen Härte deutlich geschwächt seien und um ihr Überleben kämpften. Dies sei kein Grund für ein milderes Vorgehen der Sicherheitsbehörden.

Ein besonders harter Kampf wird in Mexiko ausgefochten. Seit Präsident Felipe Calderón im Dezember 2006 den Kartellen den Garaus angesagt hat, sind nach offiziellen Angaben mindestens 22.700 Menschen dem Drogenkrieg zum Opfer gefallen. (apn/DER STANDARD, Printausgabe, 28. April 2010)

Share if you care.