Schnell, Schneller, Lacrosse

27. April 2010, 12:20
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Eine der schnellsten Sportarten auf zwei Beinen hat ihren Weg auch nach Österreich gefunden: Lacrosse. Das Motto am zweiten Spieltag der Damen-Liga: Kämpfen um jeden Ball

"Sticks Up", also Schläger in die Luft, hieß es wieder am 24. April in Stockerau. Da ging die Österreichische Lacrosse-Liga in die zweite Runde und die Vienna Cherokees luden die beiden anderen heimischen Damenmannschaften zum Kampf am Spielfeld. In drei Partien traten die amtierenden Meister Graz Gladiators, die Vienna Monarchs und die Vienna Cherokees an, um Punkte in der Meisterschaft zu sammeln.

Graz diesmal nur zu neunt

Pfiff, Schläger in die Luft, der Ball hinterher und insgesamt achtzehn Mädels, die um Landgewinn rennen. Das erste Spiel des Tages fand zwischen den Wiener Gastgebern und den seit zwei Saisonen ungeschlagenen Grazern statt, mit einem ungewöhnlichen Detail: ist es in der österreichischen Liga normalerweise Regel, dass eine Mannschaft aus zehn Spielerinnen besteht, reisten die Grazer, durch Verletzungsausfälle gehandicapt, nur mit neun Mädchen an. Deshalb stellten sich auch die Cherokees auf die Situation ein und marschierten nur zu neunt aufs Spielfeld. Für die Graz Gladiators bedeutete das: wie am ersten Spieltag Anfang April in Wien, ohne Wechselspielerin auskommen zu müssen.

Ganzkörperschutz für den Goalie

Das laugt aus, denn Lacrosse gilt gemeinhin als eine der schnellsten Sportarten auf zwei Beinen, ist also sehr laufintensiv. Zwei Mannschaften stehen sich beim Lacrosse auf einem Fußballfeld großen Platz gegenüber und kämpfen um einen Hartgummiball. Der darf in den so genannten "Sticks" transportiert werden, den Schlägern, die aus einem Stab und einem gespannten Netz am Ende bestehen. Damit wird der Ball auch gefangen und geschossen, auf ein Tor, das von einer Torhüterin bewacht wird, die als einzige Dame auf dem Feld eine komplette Schutzausrüstung trägt: Helm, Brustschutz und Handschuhe.

Wer hat's erfunden? Die Indianer

Da beim Damenlacrosse, anders als bei der Herrenvariante, keine Bodychecks und kein Tackeling erlaubt sind, spielen die Mädchen nur verpflichtend mit Mundschutz und oftmals auch zusätzlich mit einer Gitterbrille, den Goggles. Dann geht es zwei Halbzeiten á 30 Minuten am Feld rund. Die Regeln kann man sich als eine Mischung aus Eishockey und Handball vorstellen. Handball, weil es einen Bereich um das Tor gibt, der nicht betreten werden darf, den Crease, Eishockey deswegen, weil auch hinter dem Tor gespielt werden darf. Ursprünglich stammt Lacrosse von nordamerikanischen Ureinwohnern, die durch den Sport ihre Stammesfehden austrugen und noch heute als eigene Nation (Damen: Haudenosaunee, Herren: Irokesen) bei internationalen Großereignissen antreten.

Spannung beim Spieltag

Dominierten die Grazer den ersten Spieltag der österreichischen Liga noch klar mit zwei Siegen über die Vienna Monarchs und Cherokees (14:5 und 13:6), hatten es die Damen in der zweiten Runde doch merklich schwerer. Die Cherokees gerieten in den ersten Minuten gleich in einen 0:2-Rückstand, den sie aber schnell aufholen konnten. Gegen Ende des Spiels lagen die Wienerinnen sogar 11:10 voran, doch mussten sie sich in dem Spiel durch schnelle Tore in den letzten Minuten trotzdem noch 11:14 geschlagen geben. Im zweiten Spiel trafen die merklich erschöpften Grazerinnen gleich noch einmal auf die Vienna Monarchs, die mit fast doppelt so vielen Spielerinnen angereist waren.

Graz weiterhin ungeschlagen

Das Spiel bot Spannung bis zur letzten Sekunde, denn sah es zuerst noch nach einem knappen Sieg für die Monarchs aus, holten die Grazer auf und schossen in der letzten Sekunde das 9:8-Siegestor. Das dritte Spiel des Tages war das Wiener Derby zwischen Monarchs und Cherokees. Schon zu Beginn des Spiels war erkennbar, dass sich beide Mannschaften nichts schenken werden und so musste auch immer wieder einer der drei Schiedsrichter das Spiel unterbrechen, um kleine Fouls zu ahnden. Am Ende konnten die Monarchs einen 6:9-Erfolg mit nach Hause nehmen.

Nächster Halt: ALO & WM 2010

Damit pausiert die Österreichische Lacrosse Liga, die seit 2005 ausgetragen wird, bis zum nächsten Gameday am 12. Juni in Graz. Doch die Vereine werden in der Zwischenzeit noch einmal aufeinandertreffen: bei den Austrian Lacrosse Open (ALO) in Wien. Vom 14. bis 16. Mai findet eines der größten europäischen Festlandturniere des Sports am Platz des FC Hellas Kagran im 22. Bezirk statt. Dabei treten zwölf Herren- und sechs Damenmannschaften gegeneinander an. Die Vorjahressieger im Damenbewerb, das österreichische Nationalteam, wird heuer zum ersten Mal nicht teilnehmen. Dafür spielen die Vienna Monarchs, Graz Gladiators und Vienna Cherokees (im deutschen Team aus Konstanz) als heimische Vertreter auf Sieg. Bei den Herren wird Rot-Weiß-Rot aber mit dem Nationalteam vertreten sein, das Turnier wird als Probe für die Weltmeisterschaft im Juli diesen Jahres genutzt. Bei der WM in Manchester werden die heimischen Lacrossespieler dann in Gruppe "Grau" auf die Niederlande, Wales und Argentinien treffen. (Bianca Blei/derStandard.at/27.4.2010)

  • Eine Attackspielerin der Grazer geht durch zwei gegnerische Verteidigerinnen.
    foto: derstandard.at/blei

    Eine Attackspielerin der Grazer geht durch zwei gegnerische Verteidigerinnen.

  • Mit dem "Stick", dem Schläger, wird der Ball in einem Netz transportiert.
    foto: derstandard.at/blei

    Mit dem "Stick", dem Schläger, wird der Ball in einem Netz transportiert.

  • Vienna Cherokees (rot) und Vienna Monarchs (blau) im Wiener Derby.
    foto: derstandard.at/blei

    Vienna Cherokees (rot) und Vienna Monarchs (blau) im Wiener Derby.

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