Entspannte Rote lachen über Straches "Hexenjagd"

25. April 2010, 22:11
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Schmied ortet Schwung für SPÖ: "Fischer hat es vorgemacht" - Hundstorfer sieht Nicht-Wähler gelassen: "Waren offensichtlich zufrieden"

Wien - Heinz Fischer sei Dank: Die SPÖ kann einem Wahlabend nicht nur optimistisch entgegen sehen, sondern ebenso zufrieden auf ihn zurückblicken. Die Spitzen der Partei fanden sich gegen 18 Uhr im Wiener Museumsquartier ein. Und obwohl sich alle beeilten, Fischers überlegenen Wahlsieg seiner Person zuzuschreiben, war den SPÖ-Granden die Zufriedenheit anzumerken. Endlich Understatement statt Schönreden.

Buhrufe für Strache

Neben Jusos, Journalisten und Unterstützern aus dem Personenkomitee - wie Chris Lohner und Brigitte Neumeister - kam zunächst vor allem Wiener SPÖ-Prominenz: Die Stadträte Michael Ludwig und Rudi Schicker, aber auch Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl gaben sich bei Salzbrezeln, Würsteln, Bier und Cola ein Stelldichein. Die Stimmung war gelöst, als schließlich auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Unterrichtsministerin Claudia Schmied und ÖGB-Präsident Erich Foglar zum Wahlfeiern kamen.

Schon kurz vor 17 Uhr, vor der ersten Hochrechnung, hatte sich die "Arena 21" im Museumsquartier gefüllt. Die Ergebnisse wurden mit langem Applaus und Gejohle begrüßt. Das Abschneiden von Barbara Rosenkranz und "Christen"-Kandidat Rudolf Gehring ging komplett unter. Als FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im ORF-Interview das magere Ergebnis auf die "Hexenjagd" auf Rosenkranz zurückführte, gab es von einigen SP-Sympathisanten Buhrufe und Gelächter.

Faymann kritisiert ÖVP

Nicht im Museumsquartier, aber im ORF-Interview bedauerte Bundeskanzler Werner Faymann die fehlende Wahlempfehlung des Koalitionspartners ÖVP. Faymann gab auch gleich die Parteilinie vor, indem er Fischer zu seinem Sieg gratulierte, diesen Erfolg aber auf keinen Fall für die SPÖ beanspruchen wollte.

Bildungsministerin Schmied begründet im Gespräch mit derStandard.at den Sieg Fischers so: "Er steht für Werte und ist souverän im Auftreten." Die niedrige Wahlbeteiligung sei "ein Wermutstropfen". Dafür seien zwei Faktoren ausschlaggebend gewesen: einerseits Fischer selbst, da sich viele gedacht hätten, auf ihre Stimme komme es ohnehin nicht mehr an. Andererseits machte Schmied auch den Aufruf vieler ÖVP-Polikter zum Weißwählen verantwortlich.

Durchatmen in der Sozialdemokratie

In der SPÖ-Zentrale sorgte der überlegene Sieg Fischers wenig überraschend für Freude. Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter gatulierte Fischer "zum großartigen Wahlerfolg". Mit ihm sei ein "überparteilicher Bundespräsident, der aus dem Herzen der SPÖ kommt" mit mehr als Dreiviertel aller Stimmen "eindrucksvoll bestätigt" worden. Auch Sozialminister Hundstorfer gab sich zufrieden: "Er war ein überragender Kandidat." Dass die Wahlbeteiligung so niedrig blieb, wertet Hundstorfer im Gespräch mit derStandard.at nicht als Verschulden Fischers: "Diejenigen, die nicht zur Wahl gegangen sind, waren offensichtlich zufrieden mit Heinz Fischer, sonst wären sie hingegangen."

Wahlkampfleiter Stefan Bachleitner sprach von einem "Tag der Freude". Die Österreicher hätten die klare Entscheidung mit der Deutlichkeit getroffen, die sich der Bundespräsident gewünscht habe. Fischer sei "eindrucksvoll im Amt bestätigt" worden und habe in Summe mehr Stimmen erreicht als bei seiner Wahl 2004 - und in allen Bundesländern die absolute Mehrheit.

Amtszeit "schwer in Ordnung"

Auch SPÖ-Parlamentarier Kai Jan Krainer, der als einer der ersten SPÖ-Promis im Museumsquartier eingetroffen war, freute sich: "Das Ergebnis zeigt, dass Heinz Fischer in seiner Amtszeit einfach unbestritten in seiner Art war." Fischers Auftreten, interpreteierte Krainer im Gespräch mit derStandard.at das Ergebnis, hätten "80 Prozent der Österreich schwer in Ordnung gefunden". Auf die Frage, ob die ÖVP mit ihrer Strategie keine Wahlempfehlung abzugeben, einen Erfolg eingefahren hätte, sagte Krainer: "Wenn eine Partei die schwache Wahlbeteilgung als Erfolg sieht, ist das nur peinlich."

Der Präsident des SPÖ-Pensionistenverbandes, Charly Blecha, meinte gutgelaunt: "Die Gegenkandidatin Rosenkranz hat vielen, die wir nach alter Terminologie 'bürgerliche Wähler' nennen, nicht gefallen. Die sind dann doch zur Wahl gegangen und haben Heinz Fischer zu einem größeren Abstand zu Rosenkranz verholfen."

"ÖVP für Wahlbeteiligung verantwortlich"

Kräuter sprach in seiner Aussendung von einem "großen Tag für die österreichische Sozialdemokratie". Gleichwohl wolle die SPÖ "aus Respekt vor dem höchsten Amt der Republik" und der Persönlichkeit Fischers nicht verleiten lassen, die heutige Wahl als "parteipolitischen Erfolg" zu verkaufen.

Die Verantwortung für die niedrige Wahlbeteiligung, meinte Kräuter, habe allein die ÖVP zu tragen. Kräuter: "Es ist legitim, bei einer Wahl nicht anzutreten, es ist aber staatspolitisch in höchstem Maß verantwortungslos, wenn dann die Wahl grundsätzlich und systematisch herabgewürdigt wird." Kräuter warf Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) in ihrer Funktion als Vertreterin der obersten Wahlbehörde vor, sie habe eine Briefwahlinformation an die Bevölkerung "aus niedrigen parteipolitischen Motiven unterlassen".

Doch ein bisschen ein SPÖ-Erfolg

Der allgemeinen Sprachregelung, Fischers Sieg sei seiner Person zuzurechnen, folgten auch die meisten Funktionäre im Museumsquartier. Also gar kein Wahlerfolg für die SPÖ? Auf Nachfrage von derStandard.at meint Ministerin Schmied: "Die SPÖ kann Wahlen gewinnen. Heinz Fischer, der in einem Höchstmaß für sozialdemokratische Werte steht, hat gezeigt, wie es geht."

Und auch Rückschlüsse auf die Wiener Wahl können sich die zufriedenen SPÖ-Granden nicht ganz verkneifen. Einen Wahlsieger, dessen "große Umsicht" belohnt wurde, sah etwa der Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Und zum schlechten Abschneiden der FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz: "Der heutige Wahlabend ist primär ein Erfolg für Heinz Fischer. Aber diese Wahl zeigt auch eine Stimmungslage, die wir in Wien mit großem Interesse beobachten. Es gab in Wien ja mehr Plakate mit H.-C. Strache als mit Barbara Rosenkranz. Da kann sich jeder einen Reim draufmachen."

Bescheidener Triumphator Fischer

Doch nicht nur Kanzler Faymann war - zumindest bis 19 Uhr - noch nicht bei der rot-dominierten Wahlparty im Wiener Museumsquartier gesehen. Auch der Sieger Fischer war vorerst nur über die vielen TV-Leinwände in greifbarer Nähe für seine Unterstützer. Der Noch-einmal-sechs-Jahre-Präsident musste den ganzen Abend Fernsehauftritte absolvieren und traf erst kurz vor 20.30 Uhr ein.

Frenetischer Applaus und Musik erklangen, als Fischer in die nun restlos gefüllte Halle einzog. Dann machte Fischer seinem Ruf alle Ehre, bemühte sich um Ausgleich und zeigte sich dankbar. Fischer bedankte sich bei allen Wählern - auch jenen, die ihn nicht gewählt haben. Und er wolle seinen Teil dazu beitragen, dass die zahlreichen Nicht-Wähler in Zukunft wieder zur Urne gehen. Schließlich dankte er seinen Unterstützern: Er wisse, dass die Sozialdemokraten zu seinem Erfolg beigetragen hatten. Die SPÖ habe jedoch die Größe, diesen nicht zu vereinnahmen, meinte Fischer. Dann schüttelte er Faymann (der keine Rede hielt) die Hand und schloss mit: "Ab jetzt wird gefeiert!"

SPÖ-Prominenz feiert mit Bundespräsident

In der Summe also durchaus gelungener Abend für die SPÖ, an dem sich zu guter Letzt die gesamte sozialdemokratische Führung im Museumsquartier einfand. Kurz vor 17 Uhr hatte es noch nicht so ausgesehen: Erst ein paar Dutzend Menschen feierten zunächst, von fast ebenso vielen Reportern umringt, während die meisten Menschen davon unberührt in den Wiesen rund um das Museumsquartier lagen - ein Sinnbild für den unaufgeregten Wahlkampf und eine Wahl, an der nur jeder zweite Österreicher teilnahm. (Teresa Eder, Lukas Kapeller/derStandard.at, 25.4.2010)

  • Wahlsieger Fischer kämpft sich am Sonntagabend, kurz vor halb neun, durch die Schar seiner Anhänger im Wiener Museumsquartier ...
    foto: matthias cremer

    Wahlsieger Fischer kämpft sich am Sonntagabend, kurz vor halb neun, durch die Schar seiner Anhänger im Wiener Museumsquartier ...

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    ... und schafft es wenige Minuten und zahlreiche Glückwünsche später auf die Bühne, wo er mit Ehefrau Margit feiert. Auch Kanzler Faymann gratulierte Fischer, hielt sich sonst aber im Hintergrund.

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    Kurz vor 21 Uhr macht Fischer kurz Pause vom Feiern und gesellt sich mit einem Paar Würsteln zur Präsidentengattin.

  • Kurz vor 17 Uhr: Erst wenige "Fans" von Heinz Fischer bei der Wahlparty im Museumsquartier.
    foto: standard/cremer

    Kurz vor 17 Uhr: Erst wenige "Fans" von Heinz Fischer bei der Wahlparty im Museumsquartier.

  • Sozialminister Hundstorfer freut sich mit Heinz Fischer, will sich den Erfolg jedoch nicht auf die Parteifahne heften.
    foto: derstandard.at/eder

    Sozialminister Hundstorfer freut sich mit Heinz Fischer, will sich den Erfolg jedoch nicht auf die Parteifahne heften.

  • Charly Blecha, Präsident des SPÖ-Pensionistenverbands: "Rosenkranz hat vielen bürgerlichen Wählern nicht gefallen."
    foto: derstandard.at/eder

    Charly Blecha, Präsident des SPÖ-Pensionistenverbands: "Rosenkranz hat vielen bürgerlichen Wählern nicht gefallen."

  • Am Nachmittag fanden sich die ersten Fischer-Anhänger ein, die rote Prominenz kam erst später. Hier jubelt Unterstützer Herbert Krejci (li.) über die erste Hochrechnung.
    foto: standard/cremer

    Am Nachmittag fanden sich die ersten Fischer-Anhänger ein, die rote Prominenz kam erst später. Hier jubelt Unterstützer Herbert Krejci (li.) über die erste Hochrechnung.

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