Harte Kritik an Industriestaaten

22. April 2010, 20:24
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Boliviens Präsident Morales als Gastgeber: "Um die Welt zu retten, muss Schluss sein mit dem Kapitalismus."

La Paz - Die von dem linksgerichteten bolivianischen Präsidenten Evo Morales einberufene "Klimakonferenz der Völker" ist am Donnerstag mit der Forderung an die Industriestaaten zu drastischen Maßnahmen gegen den Klimawandel zu Ende gegangen. Die Atmosphäre dürfe sich höchstens um ein Grad erwärmen, hieß es in einer Abschlusserklärung. Sie enthält weitere Forderungen und Vorschläge für die nächste UN-Klimakonferenz im Dezember in Mexiko.

Bei dem Treffen in der Stadt Tiquipaya im Zentrum des südamerikanischen Landes stand die Kritik an den Industriestaaten des Nordens und am Kapitalismus im Mittelpunkt. "Entweder es stirbt der Kapitalismus oder es stirbt die Erde", hatte Morales bei der Eröffnung am Dienstag gesagt. Leidtragende des Klimawandels seien vor allem ärmere Länder des Südens. Als Heilmittel gegen die als Klimakatastrophe bezeichnete Entwicklung wurde von vielen der weit mehr als 20.000 Teilnehmer aus mehr als 140 Ländern eine sozialistische Wirtschaftsordnung genannt.

Als einziger ausländischer Staatschef reiste Venezuelas linksgerichteter Präsident Hugo Chávez an. Das Treffen in der Nähe der Großstadt Cochabamba sei "die Fortsetzung des in Kopenhagen (bei der UN-Klimakonferenz) begonnenen Kampfes für die Rettung der Menschheit", sagte Chávez. Kopenhagen sei gescheitert an den "imperialistischen Plänen der US-Regierung", fügte der als US- Kritiker bekannte Chávez hinzu. Um die Welt zu retten, müsse "Schluss sein mit dem Kapitalismus. Dafür muss die Herrschaft Gottes auf Erden errichtet werden: der Sozialismus, der für Frieden, Demokratie, Nächstenliebe sowie Gleichheit und Freiheit" stehe.

An der Konferenz unter dem etwas sperrigen Motto "Konferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte von Mutter Erde" nahmen vor allem Vertreter sozialer Bewegungen und von indigenen Völkern teil, die bei UN-Konferenzen eher am Rande stehen. Sie arbeiteten auch Fragen für ein von Morales betriebenes weltweites Referendum zum Klimawandel aus.

Die Fragen lauten wie folgt: Sind sie damit einverstanden, das kapitalistische System zu verändern, die Harmonie mit der Natur wieder herzustellen, den Ausstoß an Klimagasen durch die Staaten und multinationalen Konzerne zu verringern, alle Rüstungsausgaben in den Umweltschutz umzuleiten, alle ausländischen Truppen und Militärstützpunkte zu beenden und einen internationalen Gerichtshof über Klima-Gerechtigkeit einzurichten? (APA)

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    Venezuelas Hugo Chavez mit dem Bolivianischen Außenminister David Choquehuanca und Gastgeber Evo Morales (v.li.).

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