Der Frühpensionist

21. April 2010, 20:44
147 Postings

Einer der Polizisten war vor Gericht nicht mehr bereit, das rassistische Verhalten seiner Kollegen zu decken

Dass ein Prozess gegen fünf Polizeibeamte wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit rassistischem Verhalten überhaupt stattfindet, ist nicht ganz gewöhnlich; in dem Sinn ein gutes Zeichen. Und dass einer der Angeklagten offen zugibt, es habe eine Verschwörung stattgefunden, um einen polizeilichen Vorgang zu verfälschen - auch das ist ungewöhnlich.

Was geschehen ist: Ein Sportler mit türkischem Migrantenhintergrund hatte ein Rencontre mit einem aggressiven Autofahrer, der ihn mit einem Baseballschläger bedrohte. Der Sportler suchte Schutz und sein Recht bei einer nahegelegenen Polizeiwachstube. Dort wurde aber seine Anzeige nicht aufgenommen und, als er sich darüber aufregte, mit dem vollen Wiener Ausländerbeziehungsrepertoire belegt: "Scheißtschusch", "Kanake", "Schleich dich aus Österreich".

Einer der Beamten war vor Gericht nicht mehr bereit, das Verhalten seiner Kollegen zu decken. Warum er dann das Protokoll mit falschen Darstellungen des Vorfalls unterschrieben habe? "Es ist natürlich bei der Polizei so, dass man etwas deckt, solange es geht."

Natürlich. Das haben wir immer vermutet, aber jetzt sagt's einer. Immerhin tut der Polizist, der als der intensivste rassistische Beschimpfer vor Gericht steht, nicht mehr Polizeidienst.

Er wurde nämlich frühpensioniert. Mit 30 Jahren. Wegen psychischer Probleme, weil "mich das Ganze persönlich so reingezogen hat". (rau, DER STANDARD Printausgabe 22.4.2010)

Share if you care.