Macht Klima Vulkane "heiß"?

19. April 2010, 18:17
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Aktuelle Diskussion unter Forschern: Klimawandel könnte geologische Folgen haben

London - Auf den ersten Blick wirken die Behauptungen eher wie fragwürdige Verschwörungstheorien. Doch es sind durchwegs anerkannte Klimatologen, Vulkanologen und Geophysiker, die sich in der am Montag erschienenen Spezialausgabe der ehrwürdig-seriösen "Philosophical Transactions of the Royal Society A" darüber Gedanken machen, ob der Klimawandel womöglich nicht doch auch zu einem vermehrten Auftreten von Erdbeben und Vulkanausbrüchen führen könnte.

Richard Betts, Klimatologe im britischen Exeter, wiegelt zwar ab und betont, dass Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und dem jüngsten Beben in China oder dem Ausbruch des Eyjafjallajökull wissenschaftlich nicht erwiesen sind. Doch er wolle nicht ausschließen, dass es bei einer Zunahme von Klimawandelfolgen nicht doch zu entsprechenden Auswirkungen kommen könnte. Belege dafür würden frühere Klimaveränderungen geben.

Wie aber hat man sich diese möglichen Auswirkungen eines wärmeren Klimas auf Erdbeben und Vulkanaktivitäten vorzustellen? Hinweise darauf liefern deutsche Forscher um die deutsche Geowissenschafterin Andrea Hampel von der Universität Hannover. Sie gehen davon aus, dass die Erdbebenrate zwar in erster Linie von den in der Erdkruste wirkenden Kräften abhängig ist. Zahlreiche Modellrechnungen hätten aber ergeben, dass auch Veränderungen von Wasser- und Eisvorkommen auf der Erdoberfläche zu solchen Druckveränderungen führen könnten. Geologische Daten würden zudem belegen, dass das Abschmelzen großer Gletscher in früheren Wärmeperioden genau diesen Effekt gezeigt hätten.

In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt Hugh Huffen in seinem Beitrag. Der Forscher von der Universität Lancaster geht davon aus, dass auch die Aktivität der Vulkane durch den nachlassenden Druck abschmelzender Gletscher zunehmen könnte. Ungeklärt sei allerdings, ob die "Antwort" der Vulkane auf den Klimawandel sofort erfolgen wird, "oder erst in Hunderten oder gar Tausenden von Jahren" . Schließlich gibt es da aber noch das Henne-Ei-Problem: War denn nicht die Beeinflussung des Klimas durch den Vulkanismus zuerst? Oder war es doch umgekehrt?

In vielen Punkten sind sich die an der Spezialnummer beteiligten Forscher noch nicht einig. In einem aber schon: Es braucht gerade für dieses völlig neue Forschungsgebiet mehr Geld für mehr Untersuchungen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 20. 4. 2010)


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"Philosophical Transactions of the Royal Society A": Theme Issue 'Climate forcing of geological and geomorphological hazards'

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    Der indonesische Merapi ist einer der aktivsten Vulkane der Welt

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