Coca im Colla

18. April 2010, 20:05
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In US-Szenebars werden die ersten - illegalen - Colla-Lieferungen aus Bolivien schon ungeduldig erwartet

Eines muss man dem sozialistischen Präsidenten von Bolivien, Evo Morales, lassen: Er versteht es, die US-Amerikaner so zu ärgern, dass der Rest der Welt seinen Spaß hat.

Vergangene Woche wurde in der Hauptstadt La Paz ein neuer Softdrink vorgestellt. Die dunkelbraune Brause wird in Flaschen abgefüllt, die ein rot-weißes Etikett tragen. Auch der Name kommt einem bekannt vor: Coca-Colla. Die Limo enthält Extrakte von Koka-Blättern, jener Pflanze, die in Bolivien von jeher als mildes Stimulans genossen wird - gekaut oder als Tee-Aufguss. Aus denselben Blättern lässt sich auch Kokain raffinieren, weshalb die Amerikaner und der Rest der Welt den Anbau verbieten möchten.

Der zweite Teil des Namens bezieht sich auf die Hochlandindianer Boliviens, die im Volksmund "Collas" genannt werden. Jegliche Ähnlichkeit mit eventuell irgendwo existierenden Markennamen ist, natürlich, völlig zufällig und in keiner Weise beabsichtigt.

Mit Coca-Cola, dem amerikanischen Softdrink-Riesen, hat Morales aber sehr wohl ein Hühnchen zu rupfen: Der Präsident behauptet, dass das gehütete Originalrezept entgegen den Beteuerungen Coca-Colas nach wie vor Koka enthalte und diesem Umstand weltweiten Erfolg verdanke. In US-Szenebars werden die ersten - illegalen - Colla-Lieferungen aus Bolivien schon ungeduldig erwartet. Dann nämlich soll endlich geklärt werden, welcher Drink jetzt "the real thing" ist. (Severin Corti/DER STANDARD, Printausgabe, 19.4.2010)

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