Zu zweit gegen die Mafia

11. April 2003, 19:46
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Kommentar von Michael Simoner

Wäre es ein Film, müsste sich der Drehbuchautor den Vorwurf gefallen lassen, zu dick aufzutragen. Doch der "Mafiaprozess" am Wiener Landesgericht und dessen Parallelveranstaltung in Warschau sind Realität. Prädikat: höchst brisant.

Noch ist nicht erwiesen, ob die Vorwürfe gegen den Angeklagten stimmen. Unter anderem soll er die Ermordung eines polnischen Politikers in Auftrag gegeben haben. Der Geschäftsmann mit den gepflegten Umgangsformen, der sich vor Jahren in der Nähe von Wien niedergelassen hat, weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Doch schon allein das, was sich bisher im Gefolge der Causa getan hat, kann getrost als der spektakulärste Kriminalfall der vergangenen Jahre bezeichnet werden.

Mafiose Vorwürfe

Im Sumpf der mafiosen Vorwürfe ist praktisch eine ganze Sondereinheit des Innenministeriums untergegangen. Ausgerechnet Agenten, die sich den Kampf gegen die organisierte Kriminalität auf die Fahnen geheftet hatten, versuchten den mutmaßlichen Paten zu schützen, weil dieser im Nebenberuf Polizeispitzel war. Die Rechnung ging nicht auf, drei Beamte wurden verurteilt, einer davon noch nicht rechtskräftig. Die Sondereinheit gibt es nicht mehr.

Allein gegen die Mafia

Der gerichtlichen Aufarbeitung der umfangreichen Causa liegen gut fünf Jahre Ermittlungen in halb Europa zugrunde. Allein gegen die Mafia - das gibt's auch nur im Film. Im konkreten Fall der Wirklichkeit sind es zwei: Staatsanwalt Walter Geyer aus Wien und sein Amtskollege Andrzej Komosa aus Warschau, wo eine mutmaßliche Komplizin und Kronzeugin vor Gericht steht. Damit wird erstmals realisiert, was bisher noch zu oft bloße Theorie war: Eine länderübergreifende Kooperation ist die schärfste Waffe im Kampf gegen die Mafia. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 11/12.4.2003)

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