Komitee für Gartenkunst

15. April 2010, 17:07
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Am Bundesdenkmalamt droht die Abteilung für historische Gartenanlagen geschlossen zu werden - Aus guten Gründen erwächst Widerspruch

Mancher ist schwer ersetzbar, doch es gar nicht zu tun ist dumm - wie im Fall des Gartendenkmals die Person Géza Hajós.

Schön war es, seinerzeit mit Herrn Hajós durch die Gärten und Parks der Nation zu streifen, als er noch seines Amtes waltete. Es war stets ein wenig feierlich und gemütlich zugleich, und, wie man in vergangenen Zeiten zu sagen pflegte, lehrreich in jedem Falle.

Denn so gut wie alles wusste der geborene Ungar und Kunsthistoriker über diese Gärten und Parks zu berichten: über ihre Pflanzen, Bosketten und Rabatte, über die Brunnenanlagen und wasserspeienden Putten, über ihre Entstehungszeiten und -geschichten, über die Erbauer und Finanziers und deren Ringen mit den irdischen Unbilden ihrer Zeit sowie über das Bemühen der heutigen Pfleger und Mentoren dieser ständig wachsenden und sich erneuernden Dokumente menschlich-gärtnerisch-kulturellen Seins und Bestehens.

Géza Hajós, ab 1967 im Bundesdenkmalamt beschäftigt, leitete von 1986 bis 2007 ebenda die Abteilung für historische Gartenanlagen. Es blieb nicht aus, dass er in dieser Funktion heftig mit den Instanzen rang. Jahrzehntelang.

Politische und allgemeine Ignoranz

Denn jung und unterentwickelt ist die österreichische Gartendenkmalpflege, und Hochachtung vor agri-kulturellen Leistungen vergangener Generationen ist eine seltene Pflanze hierzulande.

Man könnte auch sagen, die Politik schere sich eine feuchte Biomasse darum, jedenfalls behandelt sie dieses Thema deutlich schlampiger und dümmer als das andere Nationen tun, beginnend mit unseren deutschen Nachbarn. Von Franzosen und Briten wie stets lieber ganz zu schweigen.

Doch auch die sogenannte Zivilgesellschaft macht nicht viel her, sonst hätten wir alle längst Stiftungen und Vereine und andere privat fördernde Institutionen gegründet, so wie das besagte Franzosen und Briten zu tun pflegen.

Die Ignoranz dem wichtigen und sehr heiklen Kulturgut "Garten" und "Park" gegenüber zeigte sich unter anderem auch darin, dass der Posten nicht nachbesetzt wurde, als Géza Hajós, das Pensionsalter erreichend, wieder seiner eigenen Wege und hinaus aus dem Bundesdenkmalamte ging.

Ein interimistischer Betreuer bemüht sich zwar, doch wie eine ganze Reihe gartentechnisch versierter Menschen nun warnend öffentlich machen will, ist die Abteilung für historische Gartenanlagen in einer bevorstehenden Neustrukturierung des Bundesdenkmalamtes nicht mehr vorgesehen.

Schuld daran ist freilich nicht das Amt, sondern die Sparvorgabe der Politik, Aufnahmestopp im Bundesdienst inklusive. Eine Phase der Dürre in einer Nation, die - ach! - so stolz ist auf ihr kulturelles Niveau und die sich als Touristenparadies erster Güte versteht und ansonsten ja auch nicht ganz schwach ist darin, die Vergangenheit gewinnträchtig auszuschlachten.

Von den etwa 1500 historischen Grünanlagen Österreichs stehen gerade einmal 56 unter Denkmalschutz. Die nichtgeschützten Anlagen fallen in die Zuständigkeit der Bundesländer und des Naturschutzes, was ein missliches Kraut-und-Rüben-Durcheinander ist, so als ob für Baubewilligungen künftig das Gesundheitsministerium verantwortlich sein solle.

Dabei kann das Denkmalamt große Unterstützung leisten für alle, die historische Anlagen pflegen: Unterlagen und historische Quellen werden studiert, Bestandsaufnahmen und Beurteilungen geschrieben, Schadens- und Befindlichkeitskataloge erstellt, Konzepte für Nutzung, Konservierung, gegebenenfalls Rekonstruktion ausgefeilt.

Ein Schließen der Abteilung bedeutet weniger Budget, weniger Beratung, weniger Achtung vor der Sache. Doch es regt sich Protest. Wie der ausschaut, lesen Sie gleich unten im Tipp. (Ute Woltron / DER STANDARD, Printausgabe, 16.4.2010)

Tipp:
Das "Komitee zur Unterstützung der Gartendenkmalpflege" im Bundesdenkmalamt setzt sich aus hochrangigen KunsthistorikerInnen und GartenspezialistInnen zusammen, die zu nennen hier den Platz sprengen würde. Derzeit arbeitet man mit Nachdruck an einer Unterschriftenliste, die dazu aufrufen will, die eigenständige Abteilung für historische Gärten im Denkmalamt beizubehalten.

Als nachgeordnete Dienststelle des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ressortiert das Bundesdenkmalamt bei Ministerin Claudia Schmied. Der Aufruf ergeht also an sie. Wer mitrufen und unterschreiben will, muss augenblicks die Professorin für den Fachbereich Landschaftsplanung und Gartengestaltung der TU-Wien, Eva Berger, via E-Mail kontaktieren: eva.berger@tuwien.ac.at

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Gartendenkmalpflege macht's möglich: im Bild der kaiserliche Privatgarten Schönbrunn

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