Gemeinsam gegen die Funkstille

13. April 2010, 19:43
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Die Handys der Zukunft sollen sich gegenseitig beim Datenaustausch helfen - Damit wären längere Akkulaufzeiten und eine bessere Funkabdeckung möglich, weiß man in den Lakeside Labs in Klagenfurt

Restlos zufrieden war Christian Bettstetter mit der Akkulaufzeit seines Handys noch nie. Zu oft piepste es beim sonst so gut organisierten Professor der Uni Klagenfurt auf langen Reisen in der Tasche - "Akku muss geladen werden". Doch während anderen nur der Griff zum Ladegerät bleibt, verfügt der 37-Jährige über einen erweiterten Handlungsspielraum: Mit vier Doktoranden und zwei Postdocs feilt der wissenschaftliche Leiter der Klagenfurter Lakeside Labs an Verfahren zur Steigerung der Energieeffizienz in Mobilfunknetzwerken.

Tiefgeschoße, Aufzüge oder Häuser mit Stahlbetonmauern: Sie eint, dass hier mit großer Leistung gesendet werden muss. Ein Nachteil, der die Akkulaufzeit des Handys beeinträchtigt - an ungünstigen Standorten sinkt sie auf 30 Prozent oder weniger ab, so Experten. Für längere Laufzeiten loten die Klagenfurter nun nicht etwa die Möglichkeiten neuer Batterietechnologien aus. Vielmehr wollen sie Handys zu hochkooperativen Geräten machen.

Relay-Kommunikation

Dort, wo ein Gerät Schwierigkeiten mit dem Datenempfang hat, soll ein anderes Handy mit besseren Funkeigenschaften zur Sende- und Empfangsstation helfen. Wenn jeder jedem hilft, "versprechen wir uns insgesamt eine Verbesserung der Akkulaufzeiten von bis zu zwanzig Prozent", hofft der Forscher. Mit der Relay-Kommunikation - dem Anzapfen der Energie Dritter in Funkreichweite - will man ein neues Mobilfunkkapitel aufschlagen. Die Technologie soll es ins übernächste Mobilnetz LTE Advanced schaffen. Nach Auswegen suchen Entwickler freilich schon länger.

Ein Zugang wäre, Basisstationen und mobile Geräte mit mehr als einer Antenne zu versehen. Doch nicht jeder glaubt, der Menschheit damit einen Gefallen zu tun: "Mobile Geräte sollen klein und preiswert bleiben, deshalb verfolgen wir einen verteilten Ansatz", sagt Bettstetter. Dritte in Reichweite würden "ohnehin mithören" - ebenso gut könnte man sie für die Kommunikation einspannen. Entstehen soll ein Kommunikationsprotokoll: "Es beginnt schon bei der Frage, welches der potenziellen Relays in Reichweite helfen soll", präzisiert der Wissenschafter. Denn nicht immer ist es das Gerät, das dem Sendemast am nächsten ist - verfügt es doch nicht automatisch über den besten Kanal.

In den Labors des Kommunikationsdienstleisters Orange schritt Bettstetter mit seinem Dissertanten Helmut Adam zwei Jahre den Horizont des Möglichen ab. Die wesentlichen Ideen des Protokolls auf der Datenübertragungsebene reichte man zur Patentanmeldung ein. In Klagenfurt hegt man nun den Ehrgeiz, noch mehr Resultate einzufahren.

Wichtigster Punkt ist die Entwicklung eines Regelwerks - welche Privilegien genießt fortan welcher Nutzer? Muss die Unterstützung extra angefragt werden? Und konsequent weitergedacht: Wann ist die kritische Marke der Zusammenarbeit erreicht? "Eine andere Regel soll die mehrmalige Wahl eines ungünstigen Relayknotens vereiteln", führt Bettstetter aus. Währenddessen beurteilt ein Mitarbeiter die "Kapazität sehr großer Netze mit dutzenden Relayknoten". Denn klar sei auch, dass noch einige Probleme gelöst werden müssen: "Wir wissen, dass die Relay-Kommunikation auch Interferenzen bei anderen Geräten erzeugt." (Daniel Pohselt /DER STANDARD, Printausgabe, 14.04.2010)

 

  • Ein Handy stützt das andere in Zeiten schlechten Empfangs und schwacher Akkus - indem die Geräte miteinander kooperieren und sich gegenseitig anzapfen.
    fotos: htc, montage: lukas friesenbichler

    Ein Handy stützt das andere in Zeiten schlechten Empfangs und schwacher Akkus - indem die Geräte miteinander kooperieren und sich gegenseitig anzapfen.

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