Nichts für kleine Mädchen

12. April 2010, 11:38
50 Postings

20 Damen, ebensoviele "Schmetterlingsnetze" und ein Ziel: das Tor. Am Samstag hat in Wien die österreichische Lacrossesaison 2010 begonnen

Was ist, wenn Gladiatoren, Monarchen und Indianer sich an einem Samstagnachmittag in Wien treffen? Nicht etwa Faschingssaison sondern die Eröffnung der österreichischen Lacrosseliga. Seit 10. April sind die drei heimischen Damenmannschaften Graz Gladiators, Vienna Monarchs und Vienna Cherokees wieder mitten im Kampf um den Meistertitel der heurigen Saison. Am Post-SV-Hockeyplatz in Wien, dem Heimplatz der Monarchs, traten die Vereine in insgesamt drei Spielen gegeneinander an.

Erst die fünfte Saison wurde bei dem jungen Sport in Österreich eingeleitet, der seit dem Jahr 2004 durch den Österreichischen Lacrosse Verband (ÖLaxV) vertreten wird. Dabei wird ein kleiner Hartgummiball mit Schlägern, die aussehen wie Schmetterlingsnetze, transportiert, geworfen und gefangen. Zwei Halbzeiten á 30 Minuten versuchen dann die Mannschaften, bestehend aus jeweils 10 Spielern, Tore zu schießen. Dabei sind die Regeln des Sportes eine Mischung aus Eishockey und Handball. Eishockey deswegen, weil auch hinter dem Tor weitergespielt werden darf und Handball, weil es einen Bereich um das Tor gibt, der von Feldspielern nicht betreten werden darf: den Crease. Schon seit Jahrhunderten wird Lacrosse von den Indianern in Nordamerika gespielt und galt als "der kleine Bruder des Krieges", da durch die sportliche Auseinandersetzung Stammesfehden beigelegt wurden. Es soll damals sogar Schwerverletzte und Tote gegeben haben.

Bei den Herren mit vollem Körpereinsatz, bei den Damen ohne

Am Post-SV-Platz geht es an diesem Wochenende aber weit weniger brutal zu, obwohl sich die Mannschaften am Spielfeld nichts schenken. Gibt es bei der Herrenvariante des Sports auch Tackeling wie im Football, kommen die Damen während des Spiels ohne Körperkontakt aus, obwohl sich der nicht immer vermeiden lässt. Das Eröffnungsspiel war das Wiener Derby zwischen den Vienna Monarchs und den Vienna Cherokees, die in der vergangenen Saison punktegleich waren. Schon beim Draw, dem Anstoß im Lacrosse, bei dem der Ball zwischen den Netzen von zwei Spielerinnen eingeklemmt und dann nach oben gezogen wird und dann versucht wird aus der Luft zu fangen, ließen sich die beiden Mannschaften keinen Platz. Doch schon nach der ersten Halbzeit stand es 6:2 für die Monarchs, die Cherokees versuchten in der zweiten Halbzeit noch aufzuholen, doch reichte es am Ende nicht. Die Partie endete 8:6. Theresa Kuglitsch von den Monarchs zum Spiel: "Die aggressive Verteidigung der Cherokees hat uns ziemlich unter Druck gesetzt, aber ich bin froh, dass wir trotzdem die Nerven bewahrt haben."

Lacrosse: noch kein anerkannter Sport in Österreich

Nerven, aber vor allem Zeit und Geld werden die Funktionäre des ÖLaxV aber vor allem in Zukunft haben müssen, damit das Ziel, Lacrosse zu einem anerkannten Sport in Österreich zu machen, erreicht werden kann. Dabei werden die Auflagen des Sportministeriums schon zum Teil erfüllt. So findet die Liga nach den Regeln des Internationalen Lacrosseverbands, bei dem der ÖLaxV auch Mitglied ist. Außerdem nimmt sowohl die Damen- als auch die Herrennationalmannschaft an Europa- und Weltmeisterschaften teil (Damen: EM 2008 in Finnland und WM 2009 in Prag; Herren: EM 2008 in Finnland und WM 2010 in Manchester). Das größte Manko ist aber, dass es bis dato noch keine fünf Landesfachverbände, 15 Vereine (laut ÖLaxV-Homepage aktuell neun) und 900 Sportausübende gibt. Das will der Verband aber durch "Nachwuchsförderung unter anderem an den zwei USI-Kursen in Wien und Graz und gezielter Mitgliederwerbung erreichen", so Daniela Dürr, Präsidentin des ÖLaxV.

Sieg der Gladiatoren

An diesem Wochenende traf der Rekordmeister Graz Gladiators, seit zwei Saisonen ungeschlagen, im zweiten Spiel des Tages auf die Gastgeber aus Wien. Obwohl die Gladiators ohne Wechselspielerinnen auskommen mussten, fegten sie ihre Gegner mit 14:5 vom Platz. Dabei schienen die Grazer mit ihren Kräften Haus gehalten zu haben und triumphierten dann auch noch mit 13:6 über die Vienna Cherokees. Das bedeutet, dass sie die Tabelle nach dem ersten Spieltag vor den Monarchs und den Cherokees anführen. Dazu Claudia Mikula von den Gladiators: "Wie erwartet präsentierten sich unsere Gegner auch heuer wieder sehr stark aber zum Glück konnte wir unsere Routine in beiden Spielen nützen und gewinnen." Daniela Dürr, Präsidentin des ÖLaxV und Spielerin bei den Vienna Cherokees zeigt sich aber enttäuscht und gibt mangelnde Kondition als Grund für die Niederlagen an, aber "trotzdem sind wir für die noch lange Saison motiviert, uns wesentlich weiter zu entwickeln."

Der nächste Spieltag der Saison wird bereits am 24. April stattfinden, diesmal in Stockerau, Organisatoren: die Vienna Cherokees. Vielleicht können sie dann mit Heimvorteil die Gladiatorenkämpfe für sich entscheiden. (Bianca Blei/derStandard.at/12.4.2010)

  • Die Gladiators (in grün) dominierten die Spiele.
    foto: derstandard.at/blei

    Die Gladiators (in grün) dominierten die Spiele.

  • Die Torfrau trägt zum Schutz Helm, Handschuhe und Brustschutz.
    foto: derstandard.at/blei

    Die Torfrau trägt zum Schutz Helm, Handschuhe und Brustschutz.

  • Sobald der Ball den Boden berührt, entbrennt ein Kampf unter den Spielerinnen.
    foto: derstandard.at/blei

    Sobald der Ball den Boden berührt, entbrennt ein Kampf unter den Spielerinnen.

Share if you care.