Tupolew Tu-154

10. April 2010, 16:21
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Früherer Verkaufsschlager hat schwarze Serie hinter sich - Seit Inbetriebnahme 1972 mehr als 30 tödliche Abstürze

Frankfurt/Main/Berlin - Die Tupolew Tu-154, mit der in Russland der polnische Präsident Lech Kaczynski tödlich verunglückte, gehören zu den meistverkauften Flugzeugen der zivilen russischen Luftfahrtindustrie. Die Tupolew Tu-154 ist ein dreistrahliges Düsenflugzeug, deren Geschichte weit in Sowjetzeiten zurückreicht. Nach wie vor ist die Maschine in Russland und anderen früheren Sowjetrepubliken weit verbreitet und wird vor allem für Mittelstrecken eingesetzt. Zwischen 1968 und 2006 wurden etwa 1.000 Maschinen verschiedener Varianten gebaut.

Das Mittelstreckenflugzeug Tupolew-154 ist das größte dieser Serie. Es absolvierte seinen Jungfernflug 1968 und ging 1972 bei der staatlichen sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot in den Dienst. Insgesamt wurden mehr als 950 TU-154 ausgeliefert. Die mit drei Triebwerken ausgestattete TU-154 wurde entwickelt, um die veraltete Tupolew TU-104 und die Antonow AN-10 zu ersetzen.

Zwanzig Jahre alte Präsidentenmaschine

Die modernste Variante, die Tu-154M, absolvierte Anfang der 1980er Jahre den Erstflug. Wichtigste Änderung im Vergleich zu den Vorgängern waren sparsamere, leisere und zuverlässigere Triebwerke, die die Maschine auf eine Reisegeschwindigkeit von maximal 950 Stundenkilometer beschleunigen können. Das maximale Startgewicht beträgt etwa 100 Tonnen. In dem Flugzeug finden nach Herstellerangaben zwischen 164 und 180 Passagiere Platz. Die Maschine ist im Grundmodell knapp 48 Meter lang und hat eine Spannweite von über 37 Metern. Die typische Reichweite beträgt 4.000 Kilometer. Die Maximalreichweite liegt bei 6.900 Kilometern. Die modernisierte TU-154 M mit einem Vier-Mann-Cockpit erreicht eine maximale Reisegeschwindigkeit von 950 Kilometern pro Stunde.

Die jetzt abgestürzte Maschine des polnischen Präsidenten war 20 Jahre alt. Die polnische Regierung erwägt seit längerem einen Austausch der Flugzeuge, mit denen die führenden Politiker des Landes fliegen. Bisher fehlte aber das Geld dafür.

Der frühere Verkaufsschlager hat eine schwarze Serie hinter sich; seit der Inbetriebnahme der ersten TU-154 im Jahr 1972 gab es mehr als 30 tödliche Abstürze. Das Flugzeug, das im Juli 2002 über dem Bodensee mit einem Frachtflugzeug des Typs Boeing 757 zusammenprallte, war ebenfalls eine Tupolew TU-154. Bei dem Unglück starben 71 Menschen, darunter 52 Kinder. Im Juli vergangenen Jahres starben 168 Menschen beim Absturz einer Tupolew TU-154 auf dem Weg vom Iran nach Armenien. An Bord war die iranische Jugendnationalmannschaft im Judo. Laut Aviation Safety Network gab es weltweit 66 Flugzeugunglücke mit Maschinen des Typs Tupolew-154, davon sechs in den vergangenen fünf Jahren.

Auch 1997 gab es einen folgenschweren Zusammenstoß. Dabei kollidierte eine Tu-154 der deutschen Luftwaffe über dem Südatlantik mit einer US-Transportmaschine vom Typ C-141 Starlifter. Grund war ein Fehler des deutschen Bundeswehr-Piloten. Bei dem Unglück kamen alle 24 Menschen an Bord der Tupolew und neun in der US-Maschine ums Leben. Die meisten verunglückten Maschinen in den vergangenen Jahren waren aber osteuropäische und iranische. Die russische Luftfahrtgesellschaft Aeroflot hat kürzlich ihre TU-154-Flotte außer Dienst gestellt.

Die Tupolew TU-154 ähneln in Design und Bauweise stark der Boeing 727. Dieses Flugzeug aus US-Produktion gilt als einer der erfolgreichsten Passagierjets der Welt, ist allerdings mittlerweile veraltet. (APA/apn/dpa)

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