Aus einem Mafia-Prozess

8. April 2010, 18:57
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Die Wahrheitsfindung des hohen Gerichts hat bei Hund Otto kein Ende

Dem Angeklagten, er steht wegen Paragraf 278a des Strafgesetzes (Bildung einer kriminellen Organisation) vor Gericht, wird von der Richterin Sonja Arleth vorgehalten: Er habe als Geschäftsführer der Tierrechte-Organisation "Verein gegen Tierfabriken" (VGT) in der Wohnung eines Mitglieds der "Basisgruppe Tierrechte" (Bat) übernachtet. Da müsse doch ein gewisses Einverständnis, vielleicht sogar eine Absprache vorliegen, wo sich VGT und Bat offiziell doch eher feindlich gegenüberstehen.

Das habe mit dem Hund Otto zu tun, erwidert der Angeklagte. Dieser gehöre dem Bat-Mann und sei ein Problem-Canine. Da der Hundebesitzer und die Lebensgefährtin des Angeklagten privat miteinander befreundet seien, habe er, der Angeklagte, trotz der Differenzen mit der anderen Tierschutzvereinigung eben auf den Hund aufgepasst, solange Besitzer und Lebensgefährtin gemeinsam auf einer Hundetrainerausbildung gewesen seien.

Doch die Wahrheitsfindung des hohen Gerichts hat hier kein Ende. Die Polizei hat eine SMS aufgefangen: "Sind vor der Tür." Richtig, da sei es darum gegangen, Otto möglichst ohne Radau vors Haus zu bringen, antwortet der Angeklagte.

Szenen aus einem Prozess auf Basis des sogenannten "Mafia"-Paragraphen 278a, angestrengt von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Von einer Zeugeneinvernahme Ottos wurde bisher abgesehen. (rau, DER STANDARD - Printausgabe, 9. April 2010)

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