Russlands Staatsfeind Nummer eins

1. April 2010, 18:51
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Doku Umarow droht Russland mit weiteren Anschlägen

Eine Million US-Dollar ist dem russischen Geheimdienst FSB der Kopf von Doku Umarow wert. Der 45-jährige selbsternannte "Emir des Kaukasischen Emirates" gilt in Russland als Staatsfeind Nummer eins. Der islamische Extremist, der Russland den heiligen Krieg erklärte, wird hinter einer Reihe blutiger Anschläge vermutet. Zuletzt bekannte sich Umarow zu den Selbstmordattentaten auf die Moskauer Metro - und droht nun mit weiteren Anschlägen.

Seit mehr als zehn Jahren wird der 1964 im tschetschenischen Dorf Charsenoj geborene Umarow von den russischen Sicherheitskräften gejagt. Schon mehrmals verkündeten sie den Tod des Rebellen. Umarow, der mehrmals schwer verletzt wurde und nun hinkt, gelang es jedoch immer wieder, in den waldreichen Gebirgen Kaukasiens unterzutauchen.

Der studierte Bauingenieur startete seinen Feldzug gegen Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion. In den beiden tschetschenischen Unabhängigkeitskriegen kämpfte Umarow an vorderster Front und wurde bald zum Vorsitzenden des Tschetschenischen Sicherheitsrates sowie später zum Vizepräsidenten der "Tschetschenischen Republik Itschkerien" ernannt.

Der sechsfache Familienvater verlor zwei Brüder im Unabhängigkeitskampf. 2005 entführten Männer des russischen Statthalters in Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, seine Frau, seinen einjährigen Sohn und seinen 74-jährigen Vater. Umarows Frau und Sohn wurden freigelassen, von seinem Vater fehlt jede Spur.

Nach dem Tod des Separatistenführers Abdul Halim Sadulajew im Jahr 2006 rückte Umarow zum Präsidenten der Seperatistenbewegung auf. Anscheinend war dem bärtigen Rebellenführer dieHerrschaft über die Kaukasus-Republik nicht genug. Im Oktober 2007 rief er das "Kaukasische Emirat" aus, zu dem auch Inguschetien, Dagestan, Ossetien sowie Teile von Kabardino-Balkarien, Karatschai-Tscherkessien und Stawropol gehören.

Russische Kaukasus-Experten bezweifeln allerdings, dass der selbsternannte Emir einen allzu großen Einfluss auf die Separatisten hat. Die Rebellen sind nach den russischen Sonderoperationen viel zu zersplittert, die einzelnen Clans verfolgen oft unterschiedliche Interessen. Zudem gibt es viele Separatisten, die mit der Islamisierung des Konflikts - der geplanten Einführung der Scharia im Nordkaukasus und des Ausrufs des Jihads gegen Russland - wenig anfangen können. (Verena Diethelm/DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2010)

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