Nicht beaufsichtigen, sondern fördern

31. März 2010, 10:32
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Barbara Mayringer ist Kindergartenpädagogin in Karenz und Mutter von drei Kindern. Zurzeit absolviert sie eine Ausbildung an der Montessori-Akademie

STANDARD: Vergangene Woche wurde die Kindergarten-Diskussion erneut aufgerollt. Ist an der "Katastrophe Kindergarten" etwas dran?

Mayringer: Ich halte wenig davon, die Kindergartenpädagogik in Österreich als eine schlechte darzustellen, weil sie das aus meiner Sicht sicher nicht ist.

STANDARD: Worunter leidet der Berufsstand aktuell am meisten?

Mayringer: Ganz sicher unter Personalmangel. Und unter einem schlechten Image.

STANDARD: Welcher Art genau?

Mayringer: Ich sehe das als ein gesellschaftliches Phänomen. Vor allem Kinder unter sechs Jahren wurden in Österreich bisher nicht ernst genug genommen. Weil die Meinung vorherrscht, dass Kinder im Kindergarten ohnedies nur spielen würden.

STANDARD: Die laute Kritik an der Unterqualifizierung von Kindergartenpädagoginnen ist also unberechtigt?

Mayringer: Wir sind sehr gut qualifiziert, bilden uns weiter und leisten viel - für die Kinder und eben auch für die Gesellschaft. Diesem Aspekt wird meiner Meinung nach auch zu wenig Beachtung geschenkt. Der Bildungsplan der Stadt Wien etwa stellt unsere Leistungen transparent dar.

STANDARD: War der Gratiskindergarten aus Ihrer Sicht ein Fehler?

Mayringer: Ja. Einkommensgestaffelte Elternbeiträge gab es davor auch schon. Heute kippt es in ein "Was nichts kostet, ist nichts wert". Wir Pädagoginnen befürchten, dass es nur noch um Beaufsichtigung und nicht mehr um die gezielte Förderung der Kinder gehen könnte. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.3.2010)

  • Barbara Mayringer
    foto: privat

    Barbara Mayringer

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