"Nordsee" geht nicht an die Börse

30. März 2010, 16:40
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Frankfurt - Die deutsche Fischrestaurant-Kette "Nordsee" und die Feinkosthersteller Homann und Nadler gehen nun doch nicht an die Börse. Der ehemalige Großbäcker Heiner Kamps und der Molkereiunternehmer Theo Müller, die die Mehrheit an der Muttergesellschaft IFR halten, wollen die weitere Expansion "bis auf weiteres mit eigenen Mitteln finanzieren", wie die operative IFR-Tochter HK Food am Dienstag mitteilte.

In Finanzkreisen wird nun erwartet, dass "Müller-Milch"-Eigentümer Müller bei nächster Gelegenheit die Mehrheit an dem Unternehmen übernimmt. Die Firma galt als heißer Anwärter auf einen Börsengang in Frankfurt im ersten Halbjahr.

Kamps und Müller hatten IFR zu Jahresbeginn von der Londoner Börse genommen und den Gang an den Aktienmarkt in Frankfurt in Aussicht gestellt. "Die Option einen Börsengangs kommt für uns gegenwärtig nicht in Betracht", erklärte Kamps nun. Er fungiert als Vorstandschef des Unternehmens und hält gut 40 Prozent der Anteile, beim schwäbischen Unternehmer Müller liegen 47 Prozent. Die nächsten Wachstumsschritte ließen sich auch aus Mitteln der Gesellschafter finanzieren. Der öffentlichkeitsscheue Müller gilt als kapitalkräftig, Kamps hat das Geld aus dem Verkauf der gleichnamigen Bäckereikette an den italienischen Nudelhersteller Barilla 2002 überwiegend in die IFR gesteckt.

Mehrere mit den Plänen vertraute Personen sagten Reuters, Müller werde über eine Kapitalerhöhung im nächsten Schritt auf rund 80 Prozent der Anteile aufstocken. Kamps hatte kürzlich in einem Interview gesagt, er hätte mit einer Mehrheit von Müller "kein Problem". Er liebäugelt damit, seine Kette wieder zurückzukaufen, feilscht aber noch. "Vor eineinhalb Jahren stand ich schon einmal kurz davor, das Filialgeschäft zu übernehmen. Aber nicht zu jedem Preis", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Im vergangenen Jahr war der Umsatz der Düsseldorfer HK Food auf 729 von 759 Mio. Euro zurückgegangen. Die Firma erklärte das Minus mit einem Verzicht auf wenig rentable Lieferverträge bei Homann. Der operative Gewinn sei 2009 auf 61 (2008: 58) Mio. Euro gestiegen. Wenn das Bundeskartellamt zustimmt, soll auch der Homann-Rivale Nadler integriert werden. Nordsee, 2009 nach Spanien und in die Türkei expandiert, soll in diesem Jahr nach Russland vordringen. Damit will Kamps 2010 den Umsatz auf rund eine Milliarde Euro steigern. (APA/Reuters)

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