Auszeichnung für fast unsichtbares Bauen

29. März 2010, 18:25
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Pritzker-Preis für Baukunst 2010 geht an das japanische Architekturbüro SANAA

Los Angeles/Tokio - 1992 wurden sie als Young Architects of the Year ausgezeichnet, 2004 gewannen sie den Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig. Nun erhalten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa, besser bekannt unter dem Tokioter Büronamen SANAA, den Pritzker-Preis für Baukunst 2010.

"Wie nur wenige andere Architekten erforschen Sejima und Ni-shizawa die Phänomene Raumfluss, Licht, Transparenz und Materialität, um daraus eine ganz eigene, subtile Synthese zu erschaffen" , heißt es im Juryprotokoll. "Ihre Bauten stehen im Kontrast zum Bombastischen und Rhetorischen, die wahre Qualität liegt tiefer verborgen."

Am Anfang widmet sich das 1995 gegründete Architekturbüro kleineren Projekten und Einfamilienhäusern im Großraum Tokio. Bekannt geworden ist SANAA jedoch vor allem durch seine weltweiten Museumsbauten. Auf das 2004 eröffnete 21st Century Museum in Kanazawa folgt der gläserne Pavillon des Toledo Art Museum in Ohio (Fertigstellung 2006), im Dezember 2007 schließlich eröffnet das New Museum for Contemporary Art in der Bowery in New York.

Das Wichtigste ist die Essenz

Gemeinsamkeit all dieser Bauten ist die minimalistische, transparente und durchwegs weiße Architektursprache. Genial, wie im Toledo Art Museum in Ohio zwischen zwei gebogenen Glaswänden ein weißer, bodenlanger Vorhang verläuft. Für Menschen ist der schmale Zwischenraum nicht zu betreten. Er dient - und das sagt Sejima mit betont strenger Stimme - einzig und allein dem Stoff und dem Bremsen der Blicke.

"Wir konzentrieren uns auf die Essenz, das ist das Wichtigste für uns, und die Essenz eines Raumes ist nun mal weiß" , sagt Kazuyo Sejima im Gespräch mit dem Standard. "Noch reduzierter geht es nicht, dann wäre unsere Architektur wahrscheinlich durchsichtig und unsichtbar."

Das jüngste Projekt von SANAAist das Rolex Learning Center in Lausanne, eine Art schwebende Universitätsflade aus einem gläsernen Guss - ohne Trennwände und ohne Schnickschnack rundherum. Als erste Frau in der Geschichte der Stadt übernimmt Sejima außerdem die Leitung der kommenden Architektur-Biennale in Venedig (29. August bis 21. November 2010).

Der mit 100.000 US-Dollar dotierte Pritzker-Preis wird seit 1979 jährlich vergeben und ist die weltweit höchste Auszeichnung für Architekten. Der Preis, der heuer bereits zum vierten Mal nach Japan geht, wird am 17. Mai in New York überreicht. Letztes Jahr erhielt ihn der Schweizer Architekt Peter Zumthor. (Wojciech Czaja, DER STANDARD/Printausgabe 30.3.2010)

 

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    Weiße Pritzker-Preisträger 2010:Nishizawa und Sejima.

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