Erste Fahrschule für Menschen mit Behinderung in Österreich

26. März 2010, 13:44
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Caritas-Direktor: "Führerschein ist oft Flaschenhals auf dem Weg zu eigenständigeren Leben"

Linz - Die laut Angaben des Betreibers, der oberösterreichischen Caritas, bundesweit erste Fahrschule für Menschen mit Beeinträchtigung hat in Leonding (Bezirk Linz-Land) ihre Arbeit aufgenommen. Seit Dezember 2009 können die Anwärter in speziell adaptierten Fahrzeugen das nötige Rüstzeug für den begehrten Schein erwerben. Auch Personen mit Lernschwäche erhalten dort auf sie zugeschnittenen Unterricht.

"Der Führerschein ist oft der Flaschenhals auf dem Weg zu mehr Mobilität und damit zu einem eigenständigeren Leben", ist Caritas-Direktor Mathias Mühlberger überzeugt. Er bringe den Betroffenen nicht nur mehr Selbstwertgefühl, sondern ermögliche ihnen oft erst, einen bestimmten Job anzunehmen. Daher sei die Idee der Fahrschule "Barrierefrei" entstanden, die bereits eine "nachweisbare Erfolgsgeschichte" habe.

Seit dem Start am 1. Dezember 2009 haben 16 Schüler das Angebot in Anspruch genommen, neun von ihnen sind schon stolze Besitzer eines Führerscheins. Die Interessenten kamen bisher aus ganz Oberösterreich, so Fahrschullehrer Manfred Schüttengruber, auf dessen Idee das Projekt zurückgeht. Mittlerweile gebe es aber auch Anmeldungen aus anderen Bundesländern, sogar aus dem fernen Vorarlberg.

"One-Man-Show"

"Derzeit bin ich noch eine One-Man-Show", so Schüttengruber. Bis zu 60 Fahrschüler pro Jahr könne er bewältigen. Sollte der Andrang größer sein, werde man personell aufstocken. Der Fuhrpark besteht derzeit aus drei Autos, in einem geben die Kandidaten dank einer Kooperation mit der OÖ. Ferngas AG umweltfreundlich Gas. Zahlreiche Spezialausstattungen waren nötig, ein Wagen lässt sich sogar nur mit einem Joystick steuern. Lernschwache Schüler werden mit speziellen Spielen an die Prüfungsfragen herangeführt, Induktionsschleifen ermöglichen es Hörgeschädigten, dem Unterricht zu folgen.

Mit der neuen Schule will man den Betroffenen auch ersparen, viel Geld in die Hand nehmen zu müssen, bevor ihre Fahrtauglichkeit überhaupt feststeht. Bisher hätten sich Behinderte zuerst ein Auto kaufen und auf ihre Bedürfnisse hin ausstatten lassen müssen, erklärte Schüttengruber. Dann erst hätten sie - mit ihrem eigenen Wagen - einen Fahrkurs machen können. Nun sei das umgekehrt.

Bianca Mock (19) beispielsweise ist seit zwei Tagen stolze Führerschein-Besitzerin. Bei der schwerhörigen jungen Frau stellte sich in der ersten Fahrstunde heraus, dass sie an einer Sensibilitätsstörung im rechten Fuß leidet. Für sie wurde ein Gaspedal auf der linken Seite eingebaut und wenig später hatte sie die Prüfung bestanden. Sie möchte die neu gewonnene Mobilität auch rasch nutzen und plant bereits einen Autokauf. Am Wochenende will sie sich einen Wagen ansehen. (APA)

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