Sendungschef Schüller: "Werde Strache persönlich anzeigen"

26. März 2010, 12:02
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Wegen "übler Nachrede, falscher Zeugenaussage und Anstiftung zum Amtsmissbrauch" - Schüller schließt zu "150 Prozent" aus, dass das Material verändert wurde - Das Chat-Protokoll zur Nachlese

"Am Schauplatz"-Chef Christian Schüller kündigte Freitag im Chat bei derStandard.at/Etat, an, er werde Heinz-Christian Strache wegen seiner Behauptungen über den "Schauplatz"-Dreh mit Skins bei einer FP-Wahlveranstaltung anzeigen. Schüller: "Für den ORF kann ich nicht sprechen. Ich persönlich habe vor ihn wegen folgender Punkte anzuzeigen: üble Nachrede, falsche Zeugenaussage und Anstiftung zum Amtsmissbrauch."

Warum der ORF das Filmmaterial nicht an die Staatsanwaltschaft herausrücken will? "In unserem Drehmaterial kommen auch Leute vor, die wir bewusst nicht in den Bericht hineingenommen haben. Zum Beispiel Minderjährige mit Nazisympathien. Ich sehe es nicht als unsere Aufgabe, diese Menschen auszuliefern. Außerdem geht es uns um ein Prinzip." Und er kann zu "150 Prozent" ausschließen, dass das Bild- und Tonmaterial verändert wurde. (red)

ModeratorIn: Herr Schüller verspätet sich ca. fünf Minuten, der Chat startet in Kürze.

Christian Schüller: Herr Schüller ist eingetroffen und entschuldigt sich für die Verspätung.

besson: sind sie stolz auf den bewußten Schauplatz?

Christian Schüller: Ja ich glaube es war eine unserer besten Sendungen in 15 Jahren.

Dani Bob: was war der Zwecke dieses Dokumentarfilms?

Christian Schüller: Wir wollten zeigen wie aus Arbeitslosen Jugendlichen Rechtsradikale werden und wollten die Menschen hinter der Nazimaske zeigen.

24c4e1f4-ad62-498b-8894-4ef40229fefa: Werden Sie - aufgrund dieses "Vorfalls" - etwas ändern? Strengere Richtlinien für Reportagen oder ähnliches?

Christian Schüller: Für unsere Arbeit wird sich nicht viel ändern. Wir haben uns aber vorgenommen Richtlinien auszuarbeiten, die für alle Kollegen im ORF eine Stütze sein sollen.

UserInnenfrage per Mail: Kann man bei mehreren Tonspuren auch eine löschen?

Christian Schüller: theoretisch kann man jederzeit eine Spur löschen, in unserem Fall sind aber alle 4 vorhanden.

UserInnenfrage per Mail: Wieviel genau hat die Schauplatz-Reportage gekostet?

Christian Schüller: Eine Schauplatzreportage kostet durchschnittlich zwischen 10 und 15 000 EUR, dividiert durch die Zahl unserer Zuschauer ergibt das 5 Cent pro Zuschauer. Nicht so schlimm oder?

UserInnenfrage per Mail: Würden Sie und Herr Moschitz jetzt anders agieren, was die Reportage anbelangt?

Christian Schüller: ich hoffe, dass wir uns durch die aggressive Reaktion von Herrn Strache nicht zu sehr beeindrucken haben lassen.

UserInnenfrage per Mail: Wird der ORF Herrn Strache klagen?

Christian Schüller: Für den ORF kann ich nicht sprechen. Ich persönlich habe vor ihn wegen folgender Punkte anzuzeigen: üble Nachrede, falsche Zeugenaussage und Anstiftung zum Amtsmissbrauch.

UserInnenfrage per Mail: Sollte der Bundeskommunikationssenat zum Schluss kommen, dass der ORF hier gegen das ORF-Gesetz verstoßen hat, was würde Ihnen bzw. Herrn Moschitz oder dem Schauplatz-Team passieren?

Christian Schüller: Wir müssten dann unseren Zuschauern kommunizieren was der Senat entschieden hat.

starship: weil es immer wieder um die bezahlten 100 euro geht... ist es korrekt, daß man protagonisten solcher reportagen IMMER eine aufwandsentschädigung für ihre mitwirkung bezahlt oder war das nur bei den beiden skinheads der fall?

Christian Schüller: Das war keines Wegs nur bei den beiden Skinheads der Fall. Wir tun das immer dann, wenn wir jemanden besonders lange mit der Kamera begleiten, wenn wir bei ihm zuhause drehen, wenn bei dieser Person durch unsere Dreharbeiten ein Verdienstentgang entstehen könnte und es sich noch dazu um Leute handelt die an der Armutsgrenze oder unterhalb davon leben.

sisosa: die beiden gezeigten nazis waren eher bemitleidenswert - nazitum nicht aus überzeugung sondern wegen fehlender alternative. glauben Sie wirklich, dass man hier die protagonisten richtig gewählt hat??

Christian Schüller: Es ist sehr schwer in dieses Milieu vorzudringen. In 15 Jahren Schauplatz ist uns das nie wirklich gelungen. In diesem Fall haben wir bei einer Reportage über Kampfhunde einen jungen Mann kennen gelernt, der sich als Neonazi zu erkennen gegeben hat. Daraufhin haben wir versucht sein Umfeld kennen zu lernen und so entstand die Idee zur gestrigen Reportage.

Mustermax Mastermux: Herr Schuller, wundern Sie sich ob der heftigen Reaktionen der Seher? oder anders gefragt: dachten Sie, der Seher weiß über die drehbuchartige Erstellung der Milieustudien bescheid?

Christian Schüller: Wir arbeiten nicht mit Drehbuch. Aber glauben sie wirklich, dass jemand sich zufällig gerade dann den Kopf rasiert, wenn gerade ein Kamerateam im Raum ist? Das heißt, wir machen uns ein Bild von Lebensumständen und versuchen innerhalb unserer Drehzeit möglichst viel davon einzufangen.

Kein Grüner: Wenn der ORF Redakteur vorschlägt, in ein einschlägiges Geschäft zu gehen und Nazi-Kram, Kleidung etc - wie UNBESTRITTEN in diesem Fall - zu kaufen, finden sie das korrekt oder müssten da nicht sofort sie und andere ZURÜCKTRETEN?

Christian Schüller: Die Geschichte war ganz anders als dargestellt. Philipp hat uns erzählt, dass er in einen Armyshop einkaufen gehen wolle. Darauf hin mussten wir uns um eine Drehgenehmigung bemühen. Doch dort wo wir drehen durften, wollte er nicht einkaufen... Deshalb sind wir mit ihm dorthin gegangen wo er immer einkauft, wo man aber Kameras nicht gerne hat. In einem solchen Fall kommt es vor, dass der Redakteur auch etwas einkauft um den Geschäftsführer quasi für den Dreh zu entschädigen. Klar haben wir von diesen Dingen nichts selber behalten.

UserInnenfrage per Mail: Wieviel Geld (außer den 100 Euro für Abtretung des Persönlichkeitsrechts) wurde für die beiden Skins ausgegeben?

Christian Schüller: Wenn man es auf die drei Monate Drehzeit herunterbricht, werden es pro Monat und Person um die 30.- aus der Tasche des Reporters gewesen sein.

UserInnenfrage per Mail: Hat das "Am Schauplatz"-Team schon mal mit versteckter Kamera gedreht?

Christian Schüller: Die ORF Richtlinien verbieten Grundsätzlich Drehs mit versteckter Kamera. Wenn wir das ausnahmsweise tun müssen wir es anschließend vor den Betroffenen deklarieren und sie dann auch mit offener Kamera drehen.

bravorauch: Zu ihrer Antwort zuvor: Das heißt, Moschitz hat im Armyshop Nazi-Devotionalien gekauft? Mit ORF-Gebühren?

Christian Schüller: Kein Groschen davon ORF Gebühren! Aus ORF Gebühren wurden lediglich die 100.- EUR für die Persönlichkeitsrechte bezahlt.

UserInnenfrage per Mail: Herr Wrabetz hat sich bisher nicht zur Causa geäußert. Enttäuscht Sie das? Oder heißt das, dass Sie von ihm keine Rückendeckung bekommen?

Christian Schüller: Jeder hat im ORF seine eigene Aufgabe. Wrabetz muss mit den Parteien verhandeln, wir müssen berichten und dafür einstehen.

Arminus: Sie sagen, dass Sie Herrn Strache anzeigen wollen, glauben Sie, wird das gelingen, wenn er eigentlich "immun" gegen das Gesetz ist?

Christian Schüller: Gute Frage! Es gibt theoretisch die Möglichkeit, dass die Immunität aufgehoben wird, aber ob das in diesem Fall passiert kann ich jetzt nicht sagen.

in aller Freundschaft: werden die Protagonisten so sie bei Polizeieinvernahme die Unwahrheit gesagt haben von Ihnen, dem Team oder dem ORF geklagt

Christian Schüller: Nein. Wenn meine Informationen stimmen, wurden sie beim Verhör gehörig unter druck gesetzt.

UserInnenfrage per Mail: Gibt es einen Mitschnitt des Telefonats mit einem der beiden Jugendlichen im Laufe der Sendung Club 2? Kann diese Stellungnahme veröffentlicht werden? Warum hatte man nicht den Mut dieses Telefonat durchzuschalten? Dadurch wäre durchaus die Möglichk

Christian Schüller: Hätten dann nicht wieder viele daran gezweifelt, ob das der echte Philipp war?

UserInnenfrage per Mail: Das Redaktionsgeheimnis schützt ja Informanten und nicht Journalisten. Warum also will der ORF das Material nicht an die Staatsanwaltschaft herausrücken?

Christian Schüller: In unserem Drehmaterial kommen auch Leute vor, die wir bewusst nicht in den Bericht hineingenommen haben. Z.B. Minderjährige mit Nazisympathien. Ich sehe es nicht als unsere Aufgabe, diese Menschen auszuliefern. Außerdem geht es uns um ein Prinzip.

bravorauch: warum war ed moschitz gestern nicht im club2? das wäre doch das naheliegendste gewesen.

Christian Schüller: Ich denke, dass ein ORF Verantwortlicher genug war, sonst hätte sich Herr Strache ja wieder einmal eingekreist gefühlt.

Cypher Aut: Strache fühlte sich gestern im Club 2 offensichtlich in die Ecke gedrängt. Bricht Ihrer Meinung sein mediales Kartenhäuschen bestehend aus "Verschwörungstheorien" zusammen oder versucht er so, sich weiter in das Rampenlicht zu drängen? Schließlich v

Christian Schüller: Er hat sich mit dieser Geschichte sicher breit positionieren können, zuletzt aber sein Gesicht verloren.

trueballer: straches vorstoß erinnert an die methode westenthaler, druck auf die redaktionen im orf auszuüben. damals ist es ihm gelungen, berichterstattung zu beeinflussen. sehen sie diese gefahr heute wieder?

Christian Schüller: Ich sehe den gleichen Versuch, es war eine Art Putschversuch gegen unabhängigen Journalismus. Und wenn man sich überlegt, wer da aller mitgemacht hat, läuft es einem kalt über den Rücken.

UserInnenfrage per Mail: Können Sie 100%ig ausschließen, dass das Bild- und Tonmaterial (ev. auch durch externe Mitarbeiter am Wochenende nach dem Dreh) verändert wurde?

Christian Schüller: 150%... mehr wäre übertrieben :-)

blub.: wären die beiden skinheads auch ohne kamerateam zur strache kundgebung gefahren?

Christian Schüller: Auf Youtube gibt es ein Video, das einen von ihnen bei einer Strachekundgebung am Viktor Adlerplatz zeigt. das heißt, wir können dokumentieren, dass nicht wir die beiden Skins zu Strachefans gemacht haben.

Fwd Pol: mich würde zudeminteressieren, welches aufnahmegerät verwendet wurde und mit welchen programmen die postproduction gemacht wird.

Christian Schüller: Welche Kamera genau verwendet wurde weiß ich jetzt nicht, die Postproduktion wurde auf Fast gemacht.

Zala Manda: Haben Sie vor, die Sendung auch befreundeten Sendern im Ausland anzubieten, beziehungsweise gibt es aus dem Ausland bereits Interesse fuer die Reportage?

Christian Schüller: Bisher hat sich bei mir noch niemand gemeldet, aber wir werden die Sendung sicher auch im Ausland anbieten.

zerodexter: Fühlen Sie sich noch eigentlich sicher? In diversen Foren liesst man recht heftige Reaktionen, Angriffe gegen Sie als Person bzw. den ORF. Haben Sie selbst mit so einer starken Reaktion und Diffamierung seitens der FPÖ gerechnet?

Christian Schüller: Gerechnet habe ich damit nicht, fühle mich aber noch sicher.

Manfred Bieder: Hat sich Strache Ihrer Meinung nach einfach verhört, oder kann es auch sein, dass er die ganze Sache geplant hat?

Christian Schüller: Könnte es nicht das Problem solcher Politiker sein, dass sie am Ende das glauben was sie selbst behaupten? Stache hat den Unsinn so oft wiederholt, dass er inzwischen vielleicht davon überzeugt ist.

pall_mall: sie sagen (und ich glaube ihnen das), dass die beiden jugendlichen unter druck gesetzt wurden. ich fände es wichtig, dass dies aufgedeckt wird, denn sowas ist unerträglich. hat der orf die möglichkteit da was zu tun?

Christian Schüller: Bis jetzt hat man uns keinen Einblick in den Akt gegeben, obwohl uns das rechtlich zustehen würde. Strache hingegen konnte Länge mal Breite aus den Protokollen zitieren. Seltsam oder?

Pinguman: Sehen Sie in der Hetze die Strache im Moment gegen "Schauplatz" und den ORF betreibt eher Ablenkung vom Thema Rosenkranz und Verbotsgesetzt, oder hat er eher Angst dass die rechtensradikalen und neonazistischen Strömungen nun auch im Fernsehen in Ak

Christian Schüller: Vielleicht hat Strache auch die Situation in Wiener Neustadt missverstanden und geglaubt, die Zeit im Bild würde seine Wahlveranstaltung zur Neonazi Kundgebung umstilisieren. aber spätestens beim Gespräch mit Ed Moschitz müsste er verstanden haben, dass es dort um etwas anderes ging.

Manfred Bieder: Was haben die Skins eigentlich hinter den Kulissen über Strache erzählt. Gefällt er Ihnen oder eher nicht?

Christian Schüller: 25 Minuten seiner Rede fanden sie eher zahm und langweilig die letzten 5 Minuten aber super. Da wurde nämlich über Ausländer hergezogen, die österreichische Mädchen begrapschen.

honza1: Herr Schüller, haben Sie das Gefühl, daß der organisatorische Aufbau und die Firmenkultur des ORF dazu geeignet ist, unabhängige Berichterstattung abseits des Parteien-Einflusses zu gewährleisten? Oder gibt es verbesserungspotential? Welches?

Christian Schüller: Der Schauplatz ist eine ganz kleine Nische wo es sich sehr frei arbeiten lässt. Von der Skinhead Geschichte wussten die Chefs überhaupt nichts, sie hätte ja erst am 16. April auf Sendung gehen sollen.

dradiwabal: Wie interpretieren sie eigentlich die Position der ÖVP zu diesem Thema? Einschüchterungs versuch um kritische Berichterstattung zu unterdrücken oder gehts da schon wieder um die Kontrolle im ORF?

Christian Schüller: Dieses Match hat mit der Schauplatzgeschichte jedenfalls wenig zu tun.

Belacqua: Ich weiß, es herrscht Beweislastumkehr, aber kann bewiesen werden, dass das Material nicht manipuliert wurde (Checksum-Überprüfungen o.ä.?)

Christian Schüller: Zur Zeit wird ein Sachverständiger bemüht, der das zweifelsfrei klären soll. Aber die Abhörprotokolle der Polizei müssten beweisen, dass Moschitz (und mit ihm das Material) von Freitag Nacht bis Samstag Nachmittag zuhause war.

Liselotte Maier: wie argumentiert die staatsanwatltschaft die tatsache dass sie keinen einblick in die protokolle habben dürfen, der strache aber schon?

Christian Schüller: Entweder ist der Zuständige nicht da, oder der Akt gerade weg, oder es ist Mittagspause :-)

Dani Bob: Sein wir jetzt mal ehrlich, durch eine Anklage der ORFs oder durch ihnen als Privatmenschen,des Herren Moschitz oder anderren ORF redaktueren spielen Sie Herrn. Strache in die Karten, praesent in den Nachrichten zu sein...Waere das nicht ein riesen

Christian Schüller: Das ist wirklich ein Dilemma, aber muss man sich deshalb alles gefallen lassen?

Kein Grüner: Wie können Sie sagen, dass es ihnen "ums Prinzip" geht und sie daher diese Material nicht an die Staatsanwaltschaft und Polizei übergeben wollen, obwohl es hier um potenziell derart schwerwiegende Vorwürfe nach dem Verbotsgesetz handelt? Verharmlose

Christian Schüller: Ich kann mir gut vorstellen was los wäre, wenn es sich hier um Linksextremisten gehandelt hätte: Rotfunk schützt linke Terroristen oder so... aber glauben sie ehrlich, dass es uns darum geht, Nazis in Schutz zu nehmen? Oder müssen wir nicht aufs Prinzip beharren egal um wen es geht?

ihaze: Wie begründen Sie die offensichtliche Falschaussagen der Skins gegenüber der Polizei? Könnte dies bei Gericht wieder geschehen und würde sich das nicht negativ für Hr. Moschitz auswirken?

Christian Schüller: Soviel ich weiß gibt es zwei sehr verschiedene Aussagen. Das Gericht wird beurteilen müssen, wem zu glauben ist.

Der Schurke mit der Gurke: Wie viel Zeit liegt dazwischen, nachdem Strache bemerkt hat, dass ORF und Skins zusammengehören, und er dann etwas gehört haben möchte? Durch den Schnitt war das für den Zuseher nicht erkenntlich.

Christian Schüller: Gerade da war kein Schnitt: es waren ungefähr 10 - 15 Sekunden.

acidium: Im Nachhinein gesehen: Würden Sie diesen Betrag nocheinmal drehen wen nSie wüssten was für einen Tumult das gibt? Bzw.: Hätten Sie etwas anders gemacht?

Christian Schüller: Aus jetziger Sicht sehe ich keinen Grund etwas anders zu machen.

rephi: Warum wird einem Politiker, der immer wieder am Nazionalsozialismus anstreift überhaupt die Möglichkeit gegeben sich im Club 2 derart zu präsentieren? Warum lässt man die Sache nicht einfach die Gerichte klären ohne Strache eine Bühne zur Selbstdars

Christian Schüller: Weil wir uns bis zur Gerichtsverhandlung anschütten lassen müssten, ohne Herrn Strache mit den Fakten konfrontieren zu können.

Ueberschuss: Sie haben erwähnt herrn Strache u.a. wegen anstiftung zum amtsmissbrauch zu klagen. Gegen wem richtet sich der vorwurf des amtsmissbrauch selbst?

Christian Schüller: Polizei und Staatsanwaltschaft scheinen Strache und die FPÖ im Stundentakt über alle ihre Amtshandlungen in dieser Causa zu informieren. Das ist ungeheuerlich!

accuser: Ist Ihnen eine derart dreiste Einschüchterungstaktik der Politik zuvor schon begegnet oder kennen Sie Beispiele aus Ihrem Umfeld?

Christian Schüller: Da gab es auch in der Vergangenheit schon einiges an Interventionsversuchen mit mehr oder weniger brutalen Methoden. Wir haben uns immer gewehrt.

hilde peymann: zu ihrer antwort bzgl. armyshop: philipp hat offensichtlich kein geld für einkäufe. finden sie es ok dass ihm der orf wie ein weihnachtsmann seine einkaufswünsche finanziert und somit rechtsradikale firmen unterstützt werden ? sie sagen, man zeige n

Christian Schüller: Ich denke wir haben seinen Alltag sehr nahe der Realität abgebildet.

Parzi Fist: Haben Sie bzw. der ORF Möglichkeiten, den beiden Jugendlichen zu helfen (Schulausbildung nachholen, Ausbildung, Job, Vermittlung eines 'Helfers')?

Christian Schüller: Wir haben das schon während der Dreharbeiten versucht und ich schließe nicht aus, dass sich der eine oder andere aus diesem Teufelskreis, in dem er steckt, herauswurstelt.

lobo marunga: wann war die einvernahme der jugendlichen und wie ist die polizei an die personlien gekommen?

Christian Schüller: Die Einvernahme war am Montag den 15. uns sagten die Polizisten, sie hätten die Veranstaltung beobachtet und wüssten ohnehin um wen es gehe.

dave8086: warum ist im club2 nicht zur sprache gekommen, dass die nazis von den wahlhelfern wahrgenommen wurden und zumindest nicht weggeschickt wurden ?

Christian Schüller: Hätte ich auch gerne thematisiert! Es ist tatsächlich seltsam, dass die drei jungen Männer, die mit ihren Plakaten in deutlicher neonazi Pose an vorderster Front stehen niemandem verdächtig vorkommen.

iOliver: OW: Gab es bemühungen seitens der FPÖ die Ausstrahlung des Schauplatz zu verhindern?

Christian Schüller: Sagen wir es so: es war ein kleines Kunststück, die Geschichte angesichts der vielen Sitzungen, Stellungnahmen und Gesprächen mit der Polizei rechtzeitig fertig zu stellen.

Brandy Ortner: Warum arbeiten FPÖ, Polizei und Staatsanwaltschaft hier so gut zusammen ?

Christian Schüller: Gute frage, ich hoffe, das ist nicht sehr repräsentativ für Justiz und Exekutive

VillacherBier: Von der Debatte rund um Strache mal abgesehen: Ich fand die Reportage gelungen und in vieler Hinsicht aufschlussreich. Allerdings viel zu kurz. Bekamen wir gestern nur eine, aufgrund der Ereignisse schnell erstellte, "Kurzversion" zu sehen oder war

Christian Schüller: Leider haben wir üblicherweise nicht mehr Sendezeit als 35 Minuten. Gestern waren es immerhin 40.

Cypher Aut: Diese sehr gelungene Sendung aus der Reihe "Am Schauplatz" löste nicht nur bei der FPÖ Empörung aus. Haben Sie damit Ihrer Meinung einen "typisch österreichischen" Nerv getroffen?

Christian Schüller: Ich fürchte, da war ein Mikrokosmos zu sehen, in dem sich sehr viel von dem spiegelt, woran unser Land leidet.

ModeratorIn: derStandard.at bedankt sich bei Herrn Schüller für das Kommen und bei den UserInnen für die vielen Fragen. Wir wünschen noch einen schönen Nachmittag.

Christian Schüller: Vielen Dank für die Fragen. Wir haben ja nicht jeden Tag Gelegenheit zu erklären was wir tun und wie wir dabei vorgehen.

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